Bezirksversammlung Harburg

Drucksache - 21-0778.01  

 
 
Betreff: Antwort Anfrage gem. §27 BezVG der GRÜNEN-Fraktion betr. Auswirkungen von Schulschließungen in Zeiten von Corona
Status:öffentlichDrucksache-Art:Antwort/Stellungnahme gem. § 27 BezVG
  Bezüglich:
21-0778
Federführend:Interner Service   
Beratungsfolge:
Hauptausschuss
13.10.2020 
Sitzung des Hauptausschusses zurückgezogen / erledigt   

Sachverhalt
Beschlussvorschlag

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Sachverhalt:

Wie werden sich die mehrmonatigen Schließungen der Schulen für alle Schüler*innen aufgrund der Corona-Pandemie auf die zukünftige Entwicklung der betroffenen Kinder und Jugendlichen auswirken? In der empirischen Wirtschaftsforschung gibt es kaum robustere Befunde als den positiven Einfluss von Schulbesuch und Kompetenzerwerb auf den wirt-schaftlichen Wohlstand. Geht etwa ein Drittel eines Schuljahres an Lernen verloren, so geht dies über das gesamte Berufsleben gerechnet im Durchschnitt mit rund 3–4% geringerem Erwerbseinkommen einher. Darüber hinaus zeigen Untersuchungen streikbedingter Schulschließungen, vorab geplanter Kurzschuljahre und langer Schulferien, dass ausbleibender Schulunterricht die Kompetenzentwicklung und den zukünftigen Arbeitsmarkterfolg dauerhaft schmälert. Deshalb steht bei den aktuellen Herausforderungen der Bildungspolitik sehr viel auf dem Spiel. Sie muss alles daransetzen, dass alle Kinder und Jugendlichen – mit oder ohne Präsenz in der Schule – umgehend wieder lernen.

Für die meisten Kinder und Jugendlichen hat seit Mitte März 2020 für viele Wochen in den Schulen kein Unterricht stattgefunden. Es ist wenig darüber bekannt, wie intensiv das Lernen zuhause in der Gesamtheit der Schüler*innen ausfällt und was das für die Entwicklung der schulischen Kompetenzen bedeutet. Es gibt aber Hinweise, dass bei vielen Kindern und Jugendlichen derzeit wenig gezieltes Lernen stattfindet. Jedenfalls fällt interpersoneller Unterricht oder direktes Beibringen durch Lehrkräfte in der Zeit des Distanzlernens zumeist aus. Onlineunterricht mit Video ist während der Schulschließungen eher die Ausnahme als die Regel.

Die übliche Form des Distanzunterrichts besteht darin, dass den Kindern und Jugendlichen klassische Aufgabenblätter zur Bearbeitung zur Verfügung gestellt werden. Wie effektiv dies ist und wie viele Schüler*innen sich tatsächlich ausgiebig mit den Aufgaben auseinandersetzen, ist derzeit unklar. Sicher ist, dass es sehr große Unterschiede zwischen verschiedenen Kindern und Jugendlichen in der Auseinandersetzung mit schulischen Inhalten gibt. So hat eine Befragung der letzten beiden Gymnasialklassen in acht Bundesländern während der Schulschließungen ergeben, dass 37% der Oberstufenschüler*innen für die Schule täglich weniger als zwei Stunden mit schulbezogenen Tätigkeiten verbringen (siehe Anger et al. 2020). Nur 27% machen mindestens vier Stunden lang etwas – was auch noch nicht unbedingt einem üblichen Schultag plus Hausaufgaben entspricht. 

Belastbare vergleichbare Daten liegen für die ersten bis zehnten Klassen nicht vor. Für einen nennenswerten Teil der Schüler*innen fällt das Lernen während der Schulschließungen möglicherweise nahezu ganz aus. 

Quellen: Ludger Wößmann (2020), Folgekosten ausbleibenden Lernens: Was wir über die Corona-bedingten Schulschließungen aus der Forschung lernen können, verfügbar unter https://www.ifo.de/DocDL/sd-2020-06-woessmann-corona-schulschliessungen.pdf abgerufen 07.07.2020

Anger, S., S. Bernhard, H. Dietrich, A. Lerche, A. Patzina, M. Sandner und C. Toussaint (2020), »Schulschließungen wegen Corona: Regelmäßiger Kontakt zur Schule kann die schulischen Aktivitäten der Jugendlichen erhöhen«, IAB Forum, verfügbar unter: https://www.iab-forum.de/schulschliessungen-wegen-corona-regelmassiger-kontakt-zur-schule-kann-die-schulischen-aktivitaten-der-jugendlichen-erhohen, aufgerufen 07.07.2020

 

Vor dem dargestellten Hintergrund wird die Vorsitzende der Bezirksversammlung gebeten,

zu veranlassen, das  Vertreter*innen der Schulbehörde folgende Fragen mit dem Schwerpunkt der Harburger Schulen antworten.

 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Die Behörde für Schule und Bildung nimmt zu der Anfrage der Grünen-Fraktion (Drs. 21-0778) wie folgt Stellung:

 

Die vergangenen Monate waren für die Familien sowie die Kinder und Jugendlichen mit großen Belastungen verbunden. Das Lernen zu Hause unterscheidet sich erheblich vom Lernen in der Schule. Um erfolgreich zu Hause zu lernen, benötigen Kinder und Jugendliche einen eigenen Arbeitsplatz, am besten ein eigenes Kinder- oder Jugendzimmer. Zudem brauchen sie eine digitale Ausstattung mit schnellem Internet, E-Mail-Adresse und einem funktionstüchtigen Computer. Und natürlich ist die Unterstützung durch Erwachsene, die bei kniffligen Fragen beraten können und zur Konzentration und Aufmerksamkeit anhalten, hilfreich. Distanzunterricht ist erfolgreich, wenn Kinder und Jugendliche gelernt haben, lange Zeit allein konzentriert und ablenkungsfrei zu arbeiten.

 

Diese Voraussetzungen sind nicht bei allen Kindern und Jugendlichen gegeben. Sie haben oft kein eigenes Kinder- oder Jugendzimmer. In 26 % aller Hamburger Familien wird zu Hause nicht Deutsch gesprochen. Und es fehlen Internetanschluss sowie ausreichend Laptops oder Tablets. Wegen des mehrmonatigen Unterrichtsausfalls ist deshalb zu vermuten, dass das Lernen zu Hause aufgrund der Probleme bei einigen Kindern und Jugendlichen zu größeren Lernrückständen geführt hat.

 

Aber auch in bildungsnahen Elternhäusern mit großzügigen Wohnverhältnissen klagen Eltern über die enormen Belastungen, die das Lernen zu Hause für ihre Kinder und die gesamte Familie bedeutet.

 

Führende Virologen und Wissenschaftler weisen zudem darauf hin, dass Kinder und Jugendliche auch in ihrer sozialen und psychischen Entwicklung Schaden nehmen können, wenn sie sich nicht regelmäßig mit Gleichaltrigen austauschen und von ausgebildeten Pädagoginnen und Pädagogen in ihrer Entwicklung gefördert werden. Für alle Kinder und Jugendlichen gilt unabhängig von ihren Lebensverhältnissen, dass Schule als Ort des Lernens und des sozialen Miteinanders eine besondere Bedeutung für Bildung und Entwicklung hat.

 

Vor diesem Hintergrund war es für den Senat der Freien und Hansestadt Hamburg von besonderer Priorität, für alle Kinder und Jugendlichen die Schulen wieder zu öffnen. Dabei ist es die Aufgabe der Politik, der Wissenschaft und der Gesellschaft, zwischen den verschiedenen Bedürfnissen und Gefahren klug abzuwägen. Das Recht auf eine körperlich gesunde Entwicklung muss abgewogen werden mit dem Recht der Kinder und Jugendlichen auf eine see-lisch und geistig gesunde Entwicklung, dem Recht auf optimale Förderung ihrer Bildung sowie ihrer sozialen, psychischen Entwicklung.

Bei diesem Abwägungsprozess hat sich die für Bildung zuständige Behörde sehr eng mit zahl-reichen Experten aus Medizin und Wissenschaft abgestimmt. Bei der Abwägung musste auch berücksichtigt werden, dass das Infektionsgeschehen bei Kindern und Jugendlichen anders verläuft als bei Erwachsenen. Sehr viele verschiedene wissenschaftliche Studien legen nahe, dass sich Kinder und Jugendliche deutlich seltener infizieren als Erwachsene. Das zeigen auch die Infektionszahlen in Hamburg: Kinder und auch Jugendliche sind deutlich seltener von der Krankheit betroffen.

Zudem ist der Krankheitsverlauf bei Kindern und Jugendlichen wesentlich ungefährlicher als bei Erwachsenen. Bei ihnen kommt es fast nie zu einem schweren Krankheitsverlauf, in der Regel zeigen Kinder und auch Jugendliche nicht einmal Symptome. Zudem weisen viele Studien darauf hin, dass Kinder und Jugendliche die Krankheit offenbar seltener auf andere über-tragen als Erwachsene. Beispiele für solche Studien listen die Autoren von namhaften medizinischen Gesellschaften in ihrer Stellungnahme vom 18. Mai 2020 auf, u. a. der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene, dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte und der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (siehe https://dgpi.de/wp-content/uploads/2020/05/Covid-19_Kinder_Stellungnahme_DGKH_19_05_2020_final_v6.pdf).

 

Bestätigt wird diese Einschätzung auch dadurch, dass es in der durchgehend bestehenden Notbetreuung und auch nach der schrittweisen Öffnung der Schulen und Kindertagesstätten vor den Schulferien nicht zu erhöhten Infektionszahlen gekommen ist. Die sogenannten Hot-spots für Corona-Infektionen waren in den vergangenen Wochen fleischverarbeitende Betriebe, Wohnunterkünfte oder Gottesdienste. Kitas und Schulen haben sich auch nach der Wiedereröffnung nicht zu Orten entwickelt, in denen es vermehrt zu Infektionen gekommen ist. Ausnahme stellt momentan nur die Heinrich-Hertz-Schule dar. Erstmals ist hier davon auszugehen, dass sich ein Teil der infizierten Schüler und drei infizierten Schulbeschäftigten abweichend von allen anderen Schulen auch innerhalb der Schule angesteckt haben könnten. Das Infektionsgeschehen wird noch aufgeklärt.

 

Vor dem dargestellten Hintergrund des aktuellen Infektionsgeschehens und der Hinweise aus der Wissenschaft haben sich alle Länder deshalb für die Wideraufnahme des Präsenzunterrichts entschieden. Einige Länder mit sehr späten Sommerferien sind sogar schon vor den Ferien zum Regelbetrieb zurückgekehrt. Grundlage sind die einstimmig verabschiedeten Empfehlungen und Beschlüsse der Ministerpräsidenten und der Kanzlerin sowie der Kultus-ministerkonferenz.

 

  1. Gibt es Daten darüber, wie viele Stunden sich die Schüler*innen pro Tag mit Unterrichtsthemen während der Corona-Pandemie beschäftigt haben? Wenn ja, welche Schlüsse wurden daraus bereits gezogen?
  2. Welche Harburger Schulen haben nachweislich erfolgreich in Corona-Zeiten gearbeitet und können als Modell genutzt werden?
  3. Sind erfolgreiche Ergebnisse nachweisbar z.B. in Form von benoteten Arbeiten und Zeugnissen?
  4. Wie oft fand Online-Unterricht pro Woche statt und in welchen Klassenstufen?

 

Die erfragten Daten werden von der BSB statistisch nicht erfasst.

 

Bereits mit Schreiben vom 27. März 2020 hat der Landesschulrat die Schulen darüber informiert, dass auch im Fernunterricht Schülerinnen und Schüler die ihnen gestellten Aufgaben bearbeiten müssen. Dabei muss beachtet werden, dass nur das verlangt werden kann, was in dieser besonderen Situation von allen Schülerinnen und Schülern altersgemäß leistbar ist. In diesem Zusammenhang sind u. U. auch erschwerte Bedingungen im häuslichen Umfeld von Schülerinnen und Schülern zu berücksichtigen und die Anforderungen entsprechend anzupassen. Verbindlichkeit ist aber erforderlich, um das kontinuierliche Lernen auch über einen ggf. längeren Zeitraum zu sichern. Die Anforderungen und Inhalte der jeweiligen Rahmenpläne bilden auch für den Fernunterricht die Grundlage. Die Fernlernzeiten sollten den durchschnittlichen täglichen Unterrichts- und Lernzeiten nach Stundenplan entsprechen.

 

Grundsätzlich richtete sich auch der Fernunterricht nach der schuleigenen Stundentafel bzw. dem Stundenplan der jeweiligen Lerngruppe. Ziel ist es, die Aufgaben für die Schülerinnen und Schüler so zu verteilen, dass sie in der vorgesehenen Zeit zu bewältigen sind.

 

Die für Bildung zuständige Behörde hatte die Schulen darauf hingewiesen, dass bei der Aufgabenstellung nur das verlangt werden kann, was in dieser Situation von allen Schülerinnen und Schülern altersgemäß leistbar ist. In diesem Zusammenhang mussten auch erschwerte Bedingungen im häuslichen Umfeld von Schülerinnen und Schülern berücksichtigt und die Anforderungen entsprechend angepasst werden.

Wie im Präsenzunterricht kann bei der Leistungsbewertung exemplarisch und stichprobenartig vorgegangen werden. In allen Schulformen sollte möglichst einmal pro Woche eine Rückmeldung zu den geleisteten Aufgaben gegeben werden. Bei Schülerinnen und Schülern, für die sich das selbstständige häusliche Arbeiten als schwierig erweist, sollten Rückmeldungen und Unterstützungsangebote häufiger erfolgen.

 

  1. Wie haben die Schulen sichergestellt, dass jeder Schülerin / jedem Schüler ein digitales Endgerät zur Verfügung steht?

 

Die Ausstattung der Schülerinnen und Schüler mit digitalen Endgeräten ist sehr heterogen. Deshalb haben Schulen in dieser besonderen Situation der Schulschließungen Schülerinnen und Schüler, denen zu Hause kein Endgerät zur Verfügung steht, leihweise mit Geräten unterstützt.

 

Zur Verbesserung des Fernunterrichts wurde die digitale Infrastruktur in den letzten Monaten deutlich ausgebaut. Für alle Schülerinnen und Schüler, die über kein mobiles Endgerät verfügen, wurden 39.000 zusätzliche Laptops und Tablets durch die BSB beschafft. Zudem wurde eine IT-basierte Fernlernumgebung aufgebaut, die es den Schulbeteiligten ermöglicht, auch außerhalb der Schule zu lernen und Unterricht zu gestalten. Hamburg ist hierbei im bundes-weiten Vergleich führend.

 

  1. Wie viele Lehrkräfte nutzen digitale Medien?
  2. Wie viele Lehrkräfte sind in der Anwendung digitaler Medien wie geschult worden?

 

Die Ausstattung der Hamburger Schulen mit digitaler Infrastruktur ist im Bundesvergleich gut. Alle staatlichen Schulen haben zum Beispiel seit mehreren Jahren einen Anschluss ans schnelle Glasfasernetz. Mittel aus dem DigitalPakt Schulen werden für den Ausbau des WLAN in allen Klassen-und Fachräumen sowie für neue digitale Endgeräte wie digitale Dis-plays in allen Unterrichtsräumen oder Endgeräte für Schülerinnen und Schüler eingesetzt. Im Zuge der Corona-Krise wurde das Volumen für die Endgeräte noch einmal deutlich aufgestockt. Im Zuge aller laufenden und zukünftigen Schulbauvorhaben werden zudem zunehmend für Lehrkräfte Arbeitsplätze an Schulen eingerichtet. Schulleitungen, stellvertretende Schulleitungen, Abteilungsleitungen und Stundenplanende sowie Verwaltungsangestellte in den Schulbüros und schulische Personalräte sind gemäß der Ausstattungsrichtlinie mit standardisierten dienstlichen Endgeräten sowie der für die Wahrnehmung ihrer Verwaltungsaufgaben erforderlichen Software (Bürokommunikation und Fachanwendungen) generell ausgestattet. Lehrkräfte ohne diese Funktionen werden im begründeten Einzelfall zusätzlich ausgestattet.

 

Die BSB stellt den Lehrkräften für ihre Arbeit überwiegend webbasierte Software zur Verfügung, die auch mit privaten Endgeräten genutzt werden kann. Sie setzt dabei auf das Konzept des „Bring-Your-Own-Device (BYOD)“, das es Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften ermöglicht, auf Wunsch auch vertraute und bevorzugte private Endgeräte zu nutzen. Die IT-Infrastruktur wird im Rahmen der WLAN-Ausstattung aller Standorte konsequent hierauf aus-gerichtet. Sollten Lehrkräfte keine privaten Endgeräte besitzen oder diese nicht nutzen wollen, ermöglicht es der hohe Ausstattungsstand an mobilen Endgeräten in den Schulen individuelle Lösungen zu finden.

 

Das Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung (LI) hat bis Ende des Schuljahres 2019/20 in rund 450 Online-Seminaren über 6.100 teilnehmende Lehrkräfte für die Nutzung digitaler Medien fortgebildet. Hinzu kommen 1.798 Teilnahmen in Veranstaltungen für Fach-leitungen, die als Multiplikatoren jetzt ihre Kolleginnen und Kollegen in der Nutzung digitaler Medien schulintern beraten. Vor Beginn des neuen Schuljahres fand seit dem 27. Juli 2020 die Schulanfangstagung statt, in der in 143 Veranstaltungen über 2.600 teilnehmende Lehr-kräfte auf das neue Schuljahr vorbereitet wurden.

 

Das LI bietet den Hamburger Lehrkräften für das Schuljahr 2020/21 rund 450 Präsenzfortbildungen und 250 Online-Seminare mit Kapazität von bis zu 385 Teilnehmern pro Veranstaltung zum Thema „Einsatz digitaler Medien zur Gestaltung hybrider Unterrichtsarrangements“ als regelhaftes Angebot an (siehe hierzu auch https://li.hamburg.de/li-programm/13805004/li-programm/ oder auch im TeilnehmerInformationsSystem: https://li.hamburg.de/tis/). Darüber hinaus wird im gesamten Schuljahr 2020/21 der Themenschwerpunkt auf dem Einsatz digitaler Medien zur Gestaltung hybrider Unterrichtsarrangements auch in die weiteren Beratungs- und Fortbildungsangebote mit einbezogen. Alle Referate der Abteilung Fortbildung des LI bedienen diesen Schwerpunkt. Ein weiterer Schwerpunkt besteht in der (fachspezifischen) Ein-führung zur Nutzung des hamburgischen Lernmanagementsystems (LMS.LERNEN.HAMBURG). Termine sind dem LI-Programm zu entnehmen.

 

Im Übrigen werden die erfragten Daten statistisch nicht erfasst.

 

  1. Wann soll der normale Präsenzunterricht wieder beginnen?

 

Seit dem 6. August befinden sich Hamburger Schülerinnen und Schüler im Präsenzunterricht. Allerdings findet keineswegs ein normaler Schulbetrieb wie vor der Corona-Pandemie statt. Vielmehr müssen Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte sowie alle weiteren Beschäftigten der Schule umfangreiche Hygieneregeln einhalten, die mit klaren Beschränkungen und Verhaltensregeln dem Infektionsschutz Rechnung tragen. Der Schutz der Schulbeteiligten und auch Familien war bei der Erarbeitung ein wichtiges Element.

 

Wer eine Schule betritt, der muss grundsätzlich die umfangreichen Hygieneregeln einhalten, eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen und den Mindestabstand wahren. Das gilt für Schülerinnen und Schüler, für Lehrkräfte und alle weiteren Beschäftigten ebenso wie für schulfremde Personen und Eltern.

 

Von dieser generellen Regel sind lediglich die Grundschülerinnen und Grundschüler in Bezug auf die Masken- und Abstandspflicht befreit, weil sie nachweislich von der Pandemie kaum betroffen sind, die Regeln nur schwer einhalten und zudem die Maske nicht fachgerecht verwenden können.

 

Wenn die Schülerinnen und Schüler im Unterrichtsraum ihren Platz einnehmen und der Unterricht beginnt, ist für die Unterrichtszeit in den entsprechenden Räumen die Masken- und Abstandspflicht aufgehoben. Diese Ausnahme ist die Voraussetzung dafür, dass wieder der Regelunterricht in Klassenstärke stattfinden kann und die Schülerinnen und Schüler einen vollständigen Stundenplan ohne Fernunterricht zu Hause haben.

 

  1. Wie sollen Lerndefizite aufgearbeitet werden?

 

Insbesondere für Kinder und Jugendliche mit Lernschwächen und solchen aus sozial benachteiligten Familien wurde ein zusätzliches Lernangebot in den Sommerferien angeboten: die Hamburger Lernferien 2020.

 

Die Hamburger Lernferien sind ein kostenfreies Angebot für Schülerinnen und Schüler von der Vorschulklasse bis zur Jahrgangsstufe 9, um in den Sommerferien eventuelle Lernrück-stände nachzuholen. Für die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler erfolgte eine Förderung der sprachlichen und mathematischen Kompetenzen in einem motivierenden und ab-wechslungsreichen Lernsetting. Aber auch der kreativ-kulturelle Teil kam nicht zu kurz. Dabei wurden die Hamburger Bildungspläne berücksichtigt und Materialen und Informationen zur Verfügung gestellt, die das Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung (LI) erarbeitet hat.

 

Bei der Organisation der Lernferien gab es zwei Modelle. Im ersten Modell organisierte die Volkshochschule (VHS) an Schulen in sozial benachteiligten Stadtteilen in den letzten drei Wochen der Sommerferien Lernkurse. Die Schülerinnen und Schüler sollten hier idealerweise für zwei Wochen einen entsprechenden Kurs belegen und sich dafür verbindlich anmelden. Im zweiten Modell organisierten an allen anderen Schulen die Schulleitungen die Lernferien-angebote. Hier konnten die Schulen auch andere Ferienzeiten festlegen, beispielsweise auch die Herbstferien.

 

Zu Beginn des Schuljahres 2020/21 wird der Lernstand aller Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 3, 4, 5 und 7 in den Kernfächern getestet. Auf der Grundlage der Testergebnis-se entwickeln alle Schulen Förderkonzepte, um Lernrückstände aufzuholen. Die Förderangebote können auch Lernangebote in den Herbstferien umfassen.

 

  1. Welcher Prozentsatz der Harburger Lehrkräfte gehören zur Corona-Risikogruppe? Wie sollen diese Lehrkräfte langfristig eingesetzt werden? Welche weiteren Maßnahmen sind geplant?

 

Grundsätzlich geht die für Bildung zuständige Behörde davon aus, dass alle Lehrkräfte mit entsprechenden Schutzvorkehrungen einsatzfähig sind.

 

Beschäftigte, die nicht im Präsenzunterricht eingesetzt werden können, kommen ihrer Dienstpflicht in einem anderen geschützten Tätigkeitsbereich der Schule oder, sofern die Tätigkeit dafür geeignet ist, von zu Hause aus nach. Sofern Schutzmaßnahmen an anderen Schulen oder Dienststellen realisiert werden können, sind die Beschäftigten verpflichtet, auch an anderen Orten alle zumutbaren Aufgaben zu übernehmen. Dabei kommt auch eine Über-tragung einer anderen Tätigkeit außerhalb der Schule (z.B. Schulverwaltungsdienst, Behörde) in Betracht. Zu den möglichen Aufgaben gehört u.a. auch der Einzelunterricht von Schülerin-nen und Schülern im Distanzunterricht.

 

Das erhöhte Risiko für einen schweren SARS-CoV-2-Krankheitsverlauf ist durch den behandelnden Arzt auf der Grundlage einer persönlichen Anamnese zu bescheinigen und mit Beginn des Schuljahres im Original der Schulleitung vorzulegen. Aus der ärztlichen Bescheinigung muss sich ergeben, dass für die Lehrkraft im Falle einer Infektion ein erhöhtes Risiko für einen schweren SARS-CoV-2-Krankheitsverlauf besteht.

 

Eine Abfrage der für Bildung zuständigen Behörde bei den staatlichen allgemeinbildenden Schulen einschließlich Sonderschulen zum Schuljahresbeginn (Stand 11. August 2020) hat ergeben, dass im Bezirk Harburg insgesamt 79 Krankmeldungen von Lehrkräften vorlagen. Nur 32 Lehrkräfte hatten ein Attest, dass sie nicht im Präsenzunterricht eingesetzt werden dürfen.

 

Der Präsenzunterricht kann mit dem bestehenden Lehrpersonal abgedeckt werden.

 

  1. Wie wird die Gleichwertigkeit des diesjährigen Abiturs gesichert, 

da die Arbeiten nur von einer Gutachterin/einem Gutachter beurteilt wurden?

 

Die Entscheidung zum Verzicht auf die Zweitkorrektur hatte zwei Hintergründe. Zum einen sollen hierdurch die Lehrkräfte, die in dieser außerordentlichen Situation stark gefordert sind, ihre Schülerinnen und Schüler im Fernunterricht weiter zu unterrichten, etwas entlasten. Zum anderen aber sollte den Abiturienten hierdurch entgegen gekommen werden. Erfahrungsgemäß sind die Auswirkungen der Zweitdurchsicht auf die Abiturnoten sowohl nach der Zahl der Fälle als auch dem Umfang nach gering. In rund 93 Prozent aller Fälle ändert sich die Note nach einer Zweitkorrektur gar nicht. In rund zwei Prozent aller Fälle wurde die Note nach der Zweitkorrektur aufgewertet, in fünf Prozent aller Fälle wurde die Note abgewertet.

 

Die Auswahl der Prüfungsaufgaben erfolgte wie in den Vorjahren und die Prüfungsbedingungen wie Arbeitszeit oder Hilfsmittel wurden jeweils ohne Anpassungen gemäß der „Richtlinie für die Aufgabenstellung und Bewertung der Leistungen in der Abiturprüfung“ gestaltet.

Im Ergebnis ist das Hamburger Abitur in diesem Jahr mit einem Notendurchschnitt von 2,36 etwas besser ausgefallen als in den letzten zehn Jahren, in denen der Notendurchschnitt zwischen 2,42 und 2,48 lag. Die Bescheinigung der Allgemeinen Hochschulreife berücksichtigt Leistungen über einen Zeitraum von zwei Jahren. Die Abiturprüfung selbst trägt mit einem Drittel zur Abiturnote bei, die Leistungen in den Pflicht- und Wahlfächern machen zwei Drittel aus. Die Ergebnisse der einzelnen schriftlichen und mündlichen Abiturprüfungen werden im Rahmen eines umfangreichen Monitorings erhoben und liegen qualitätsgesichert im Herbst 2020 vor. Daher ist eine abschließende Bewertung der Abiturdurchschnittsnote derzeit noch nicht möglich.

 

Die bisher vorliegenden Ergebnisse legen allerdings nahe, dass die Vorbereitung der Schüle-rinnen und Schüler auch in der Zeit des Fernunterrichts besser war, als lange Zeit behauptet wurde. Zudem hat es sich offensichtlich ausgezahlt, dass für eine Reihe von Schülerinnen und Schülern die Vorbereitungszeit verlängert worden ist. Aus Elternbriefen geht hervor, dass manche Schülerinnen und Schüler sicher auch davon profitiert haben, dass es während des Corona-bedingten Lockdowns weniger Freizeitangebote und Ablenkungsmöglichkeiten gab. Zudem haben die Lehrkräfte auf die besonderen Umstände durch die Corona-Pandemie reagiert, indem sie beispielsweise eine entspannte, angstfreie und von Zuversicht getragene Prüfungsatmosphäre geschaffen oder auch vorhandene Beurteilungsspielräume ausgeschöpft haben. Dieses Vorgehen entspricht den gängigen Bewertungsvorgaben, die beispielsweise vorsehen, dass andere als im Erwartungshorizont ausgeführte Lösungen bei der Bewertung der Prüfungsleistung als gleichwertig gewürdigt werden, wenn sie der Aufgabenstellung entsprechen, sachlich richtig und nachvollziehbar sind.

 

  1. Wie sieht der Langzeitplan 2020/2021 für den schulischen Unterricht aus?

Nach den Sommerferien ist in allen staatlichen Schulen ein vollwertiger Schulbetrieb mit Unterricht nach Stundentafel, mit Lernerfolgskontrollen, Vorbereitung auf Regel- und Schulabschlüsse, Förderangeboten wie zum Beispiel Sprachförderung oder Lernförderung sowie mit Ganztagsangeboten sicherzustellen. Grundlage für den Unterricht sind die Bildungspläne, die Stundentafeln sowie die schuleigenen Konzepte und Curricula. Die Schülerinnen und Schüler sollen auf diesem Wege die in den Fachanforderungen und Förder- bzw. Bildungsplänen formulierten Kompetenzen erreichen, die angestrebten Abschlüsse erwerben und die gewünschten Übergänge in weiterführende Bildungs- und Berufsbildungsgänge vollziehen.

 

Stammbaum:
21-0778   Anfrage gem. §27 BezVG der GRÜNEN-Fraktion betr. Auswirkungen von Schulschließungen in Zeiten von Corona   Interner Service   Anfrage gem. § 27 BezVG
21-0778.01   Antwort Anfrage gem. §27 BezVG der GRÜNEN-Fraktion betr. Auswirkungen von Schulschließungen in Zeiten von Corona   Interner Service   Antwort/Stellungnahme gem. § 27 BezVG