Bezirksversammlung Harburg

Drucksache - 20-4351.01  

 
 
Betreff: Antwort zur Anfrage der GRÜNEN-Fraktion betr. Hochwasserschutz: Wann werden im Tideauwald des Cranzer- und Neuenfelder Hauptdeichs umgestürzte und entwurzelte Bäume entfernt?
Status:öffentlichDrucksache-Art:Antwort/Stellungnahme gem. § 27 BezVG
  Bezüglich:
20-4351
Federführend:Interner Service Beteiligt:D 4 - Dezernat Wirtschaft, Bauen und Umwelt
    Fachamt Management des öffentlichen Raums
Beratungsfolge:
Hauptausschuss
09.04.2019 
Sitzung des Hauptausschusses zurückgezogen / erledigt   

Sachverhalt
Beschlussvorschlag

Sachverhalt:

Folgende Anfrage DS 20-3516 hat die Fraktion der Grünen Anfang 2018 gestellt:

„Die Elbdeiche am Cranzer- und Neuenfelder Hauptdeich grenzen an das Mühlenberger Loch und an das Airbusgelände. Die Deiche dienen dem Hochwasserschutz gegen die Fluten und Sturmfluten der Elbe und sind für die Bevölkerung der angrenzenden Süderelberegion des Alten Landes bis nach Neugraben und Hausbruch überlebenswichtig.  

Das Deichvorland ist Auwald und dient einerseits dem Hochwasserschutz und ist andererseits Naturschutzgebiet. Hier wachsen hohe Pappeln, die als Pioniergehölze entfernt werden müssten, damit sich Harthölzer wie Erlen, Eichen, Ahorn, Linden weiterentwickeln können. Pappeln sind nicht standsicher. Ein Teil der Bäume ist bereits entwurzelt oder umgestürzt und liegt im Auwald. Bei Sturm und Flut können sie ganz entwurzelt und weggeschwemmt werden und den Deich beschädigen.

Wir fragen die zuständige Fachbehörde:

1. Pappeln im Auwald vor den Cranzer- und Neuenfelder Haupdeich sind keine standsicheren Gehölze. Sie können umstürzen, bei Flut wegschwemmen und den Deich beschädigen. Warum werden sie nicht entfernt? 

2. Warum werden nicht alle bereits umgestürzten Bäume im Auwald entfernt, um die Deichsicherheit zu gewährleisten?“

Die Antwort der Fachbehörde im März 2018 lautete u.a.:

„Die Hochwassersicherheit hat dabei eine sehr hohe Priorität. Die HPA nimmt in Abstimmung mit der zuständigen Behörde Fällungen oder Rodungen einzelner Pappeln und die Entfernung von Totholz vor, wenn durch sie die Hochwassersicherheit gefährdet ist. Nach der Sturmflutsaison wird die Entfernung der Hölzer weiter vorangetrieben.“

Wir fragen hiermit erneut die Fachbehörde:

1. Die umgestürzten Bäume sind noch nicht entfernt worden und gefährden die Deichsicherheit und damit den Hochwasserschutz. Von Seiten des Naturschutzes gibt es ein strenges Verbot, in der Vegetationsperiode im Tideauwald Bäume zu entfernen. Ist das der Fachbehörde nicht bekannt? Konsequenterweise muss die Entfernung der Bäume in den Wintermonaten erfolgen. Warum ist das bisher nicht geschehen?

2.Wann werden die umgestürzten und entwurzelten Bäume entfernt? 

3. Es gibt eine Zusage im Zuge der Verhandlungen zum Süderelbefond, dass zwei Sichtfenster im Tideauwald vom Hauptdeich mit dem Blick auf die Elbe freigehalten werden sollen. Diese befinden sich an der Einmündung des Estedeichs auf den Cranzer Hauptdeich und in Höhe des ehemaligen Cranzer Strandhotels. Wann werden die Sichtfenster wiederhergestellt?

 


BEZIRKSVERSAMMLUNG HARBURG

Die Vorsitzende

6. März 2019

 

 

Die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI) beantwortet die Anfrage der GRÜNE-Fraktion, Drs. 20-4351 auf der Grundlage von Auskünften der Hamburg Port Authority (HPA) wie folgt:

 

Zu 1.:

Die Festlegung, ob und welche Bäume oder Totholz entfernt werden, erfolgt fortwährend auf Basis von Gefährdungsbeurteilungen innerhalb des Betriebs und der Unterhaltung der öffentlichen Hochwasserschutzanlagen (öHWS-Anlagen).

 

Die HPA ist in ihrem Zuständigkeitsbereich für die öHWS-Anlagen von einigen Auflagen der Naturschutzverordnung befreit und hat vereinzelt in der Vergangenheit größere Bäume gesichert und Totholz aus dem unmittelbaren Randbereich des Auwaldes zum Deichschutzstreifen entfernt. Dieses geschieht grundsätzlich nur im Zuge des Freihaltens des Lichtraumprofils (Rückschnitt der Bäume und Buschwerke auf gesamter Länge im Zweijahresrhythmus). Von Totholz innerhalb des Tideauwalds geht in der Regel keine Gefahr für die Hochwassersicherheit aus. Bei der Abwägung zwischen Hochwassersicherheit und Naturschutz ist mit der Behörde für Umwelt und Energie (BUE) als zuständige Fachbehörde Konsens herzustellen.

 

Zu 2.:

Die für die öHWS-Anlagen zuständigen HPA-Anlagenwarte kontrollieren auf ihren regelmäßigen Routinefahrten neben den eigentlichen öHWS-Anlagen auch das Vorland, also auch Bereiche des Tideauwalds. Teilweise wurden bei aktuellen Routinekontrollen im Januar des Jahres 2019 entwurzelte Bäume gesichtet. Diese liegen zum Teil im Uferbereich oder haben sich in anderen Bäumen verfangen. Unter diesen Bäumen wurden drei Bäume als Gefährdung für die Hochwassersicherheit eingestuft. Diese werden zeitnah vor der Vegetationsperiode gesichert bzw. geräumt. Es wurde bereits mit den erforderlichen Arbeiten begonnen.

 

Zu 3.:

Aufgrund der für einen Rückschnitt gültigen Beschränkungen werden die Herstellung und die Rahmenbedingungen der Sichtfenster geprüft. Der Rückschnitt könnte frühestens im Herbst des Jahres 2019 erfolgen.

 

 

gez. Rajski

 

 

 

f.d.R.

 

Hille