Bezirksversammlung Harburg

Drucksache - 20-4418.01  

 
 
Betreff: Antwort Anfrage gem. §27 BezVG der GRÜNEN-Fraktion betr. Wie gut ist die Geburtshilfe in der Helios Mariahilf Klinik?
Status:öffentlichDrucksache-Art:Antwort/Stellungnahme gem. § 27 BezVG
  Bezüglich:
20-4418
Federführend:Interner Service Beteiligt:D 3 - Dezernat Soziales, Jugend und Gesundheit
    Fachamt Gesundheit
Beratungsfolge:
Hauptausschuss
12.02.2019 
Sitzung des Hauptausschusses zurückgezogen / erledigt   

Sachverhalt
Beschlussvorschlag

Sachverhalt:

Die Mariahilf Klinik ist seit der Schließung der Gynäkologie und Geburtshilfe Abteilung in der Asklepios Klinik Harburg die einzige Geburtsklinik im Bezirk Harburg. Im Dezember 2018 haben die Chefärztin Maike Manz und drei Oberärzte gekündigt. Ein halbes Jahr zuvor sollen bereits 8 Hebammen und davor Kinderärzte gekündigt haben. Die Chefärztin Frau Manz hat eine familienorientierte, sehr engagierte Geburtshilfe geführt. Sie hat es geschafft, die Kaiserschnittrate von 30 auf 20 Prozent zu senken. Das kann nur mit genügend Hebammen und Ärzten und einer intensiven und persönlichen Betreuung der Frauen bei der Geburt geleistet werden. Eine gute und individuelle Betreuung bei der Geburt und ist zeit- und personalintensiver als ein Kaiserschnitt. Ein Kaiserschnitt bringt einer Klinik ca. 1000 € mehr als eine natürliche Geburt. Mit normalen vaginalen Geburten ist der Gewinn einer Klinik geringer. Es soll zu massiven Differenzen zwischen dem Geschäftsführer, Hebammen, Ärztinnen und Ärzten gekommen sein. Proteste beider Berufsgruppen sollen ignoriert worden sein. Nachdem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gekündigt hatten, soll der Geschäftsführer von den Ärztinnen und Ärzten gefordert haben, Geburten ohne Hebammen durchzuführen.


 

 

Wir fragen die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz:

 

1. Wie viele Geburten gab es in der Mariahilf Klinik in den Jahren 2017 und 2018  im Vergleich der Jahre 2015 und 2016 ? Wie viele Geburten waren natürliche Geburten und wie viele Geburten waren per Kaiserschnitt?

2. Wie war der Personalschlüssel der Abteilung für Geburtshilfe im Jahr 2017 und 2018 im Vergleich zu den Jahren 2015 und 2016? Bitte nach Pflegepersonal, Hebammen und Ärztinnen und Ärzten unterscheiden.

3. Wie viele Stelle sind zusätzlich besetzt worden seit der Schließung der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe der Asklepios Klinik in Harburg?  

3. Wurden Geburten ohne Begleitung von Hebammen durchgeführt? Wenn ja wann und wie viele Geburten waren es?

4. Ist der Behörde bekannt, aus welchen Gründen die Chefärztin, 3 Oberärzte und mehrere Hebammen im Jahr 2018 gekündigt haben? Wenn ja welche Gründe lagen vor?

5. Ist die Behörde der Meinung, dass die Geburtshilfe des Bezirks Harburg durch die Kapazitäten der Mariahilf Klinik gewährleistet und ausreichend personell besetzt ist?

6. Die Senatorin hat den Chefärzten der Geburtskliniken in Hamburg das Ziel gesetzt, dass weniger Kaiserschnittgeburten durchgeführt werden sollen. Die Geburtshilfliche Abteilung unter der Leitung von Frau Manz hat diese Vorgabe erfüllt. Durch die Personalpolitik der Klinik ist dieses Ziel jetzt jedoch in Frage gestellt. Welche Maßnahmen will die Behörde einleiten?

 

 


BEZIRKSVERSAMMLUNG HARBURG

Die Vorsitzende

31. Januar 2019

 

 

Die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz (BGV) beantwortet die Anfrage der GRÜNEN-Fraktion, Drs. 20-4418

 

 

  1. Wie viele Geburten gab es in der Mariahilf Klinik in den Jahren 2017 und 2018 im Vergleich der Jahre 2015 und 2016? Wie viele Geburten waren natürliche Geburten und wie viele Geburten waren per Kaiserschnitt?

Die Geburtshilfe im Asklepios Klinikum Harburg hat zum 31.12.2016 den Betrieb eingestellt. Die Gynäkologie und Geburtshilfe für den Süderelberaum wurde an der Helios Mariahilf Klinik Hamburg konzentriert. Entsprechend sind die Geburtenzahlen dort erwartungsgemäß angestiegen.

Geburten in den Jahren 2015 bis 2018 in der Helios Mariahilf Klinik Hamburg und dem Asklepios Klinikum Harburg:

Krankenhaus

2015

2016

2017

2018

Helios Mariahilf Klinik Hamburg

1.727

1.770

2.089

2.055

 

 

 

 

 

 

Die Kaiserschnittrate in der Helios Mariahilf Klinik Hamburg und in Hamburg gesamt in den Jahren 2015 bis 2018 ist der untenstehenden Tabellen zu entnehmen.

Kaiserschnittrate in den Jahren 2015 bis 2018 in der Helios Mariahilf Klinik Hamburg und in Hamburg gesamt (Angaben in Prozent):

Krankenhaus

2015

2016

2017

2018

Helios Mariahilf Klinik Hamburg

26,9

30,1

29,7

25,0

Hamburg gesamt

32,5

31,9

31,8

Angaben liegen noch nicht vor

Quelle: 2015 bis 2017: Hamburger Krankenhäuser im Rahmen der Übermittlung der Daten nach Krankenhausstatistikverordnung an die BGV.

Für 2018 Angaben für das Krankenhaus nach Angaben der Helios Mariahilf Klinik Hamburg.

Die Helios Mariahilf Klinik Hamburg hat darauf hingewiesen, dass es in den Jahren 2016 und 2017 einen Anstieg der Kaiserschnittrate von 26 Prozent auf 30 bzw. 31 Prozent gab. Diese habe das geburtshilfliche Team 2018 auf 25 Prozent gesenkt, womit ein ähnliches Niveau wie vor der Neuordnung der Geburtenversorgung in Harburg erreicht sei. Vorgaben zur Indikation und Durchführung von Kaiserschnitten (Sectios) würden ausschließlich durch die jeweiligen Chefärzte bzw. leitenden Ärzte gestellt.

 

2. Wie war der Personalschlüssel der Abteilung für Geburtshilfe im Jahr 2017 und 2018 im Vergleich zu den Jahren 2015 und 2016? Bitte nach Pflegepersonal, Hebammen und Ärztinnen und Ärzten unterscheiden.

Nach Angaben der Helios Mariahilf Klinik Hamburg stellt sich die Personalentwicklung in der Geburtshilfe wie folgt dar:

Jahr

Hebammen

Ärztinnen und Ärzte

 

Anzahl Vollkräfte (VK)

Anzahl Mitarbeiter-Innen /Köpfe

Anzahl Voll-kräfte (VK)

Anzahl Mitarbeiter-Innen /Köpfe

2016

15,3

28

15,7

21

2017

17,5

30

21,8

29

2018

18,2

33

22,8

34

 

Zur Entwicklung im Bereich der Pflegekräfte in der Geburtshilfe hat das Krankenhaus übermittelt, dass der Personalbedarf in der Pflege nach den aktuellen Anforderungen auch zwischen den Stationen gesteuert werde. Grundsätzlich habe sich die Mitarbeiterzahl in der Pflege nicht wesentlich geändert.

 

3.  Wurden Geburten ohne Begleitung von Hebammen durchgeführt? Wenn ja wann und wie viele Geburten waren es?

Nein. Nach Angaben des Krankenhauses werden in der Helios Mariahilf Klinik alle komplikationslosen Geburten auf Wunsch der werdenden Mütter autark von einer Hebamme geleitet. Erst zur eigentlichen Geburt – also meist in den letzten drei Minuten einer Entbindung – kommt der Arzt hinzu. Dies dient der Sicherstellung des in Deutschland verpflichtenden Vier-Augen-Prinzips.

Ergänzend ermöglicht es das Krankenhaus Beleghebammen (freiberuflichen Hebammen), Frauen im Kreißsaal in einer 1:1 Betreuung durch die Geburt zu begleiten.

 

4.  Ist der Behörde bekannt, aus welchen Gründen die Chefärztin, 3 Oberärzte und mehrere Hebammen im Jahr 2018 gekündigt haben? Wenn ja welche Gründe lagen vor?

 

Nein.

 

 

5.  Ist die Behörde der Meinung, dass die Geburtshilfe des Bezirks Harburg durch die Kapazitäten der Mariahilf Klinik gewährleistet und ausreichend personell besetzt ist?

Aus Sicht der zuständigen Behörde sind derartige personelle Wechsel nicht ungewöhnlich. Die zuständige Behörde steht im engen Kontakt zur Geschäftsführung der Helios Mariahilf Klinik Hamburg. Die zuständige Behörde geht davon aus, dass die geburtshilfliche Versorgung im Süderelberaum auch weiterhin sichergestellt ist.

Das Krankenhaus ist nach eigenen Angaben zuversichtlich, die frei werdenden Stellen kurzfristig neu zu besetzen. Durch die hohen Geburtenzahlen und die Gewichtung des Fachbereichs sei die Klinik ein attraktiver Standort für ärztliches Personal und Hebammen.

 

6.  Die Senatorin hat den Chefärzten der Geburtskliniken in Hamburg das Ziel gesetzt, dass weniger Kaiserschnittgeburten durchgeführt werden sollen. Die Geburtshilfliche Abteilung unter der Leitung von Frau Manz hat diese Vorgabe erfüllt. Durch die Personalpolitik der Klinik ist dieses Ziel jetzt jedoch in Frage gestellt. Welche Maßnahmen will die Behörde einleiten?

Die zuständige Behörde sieht keine Notwendigkeit für etwaige Maßnahmen.

 

 

 

 

gez. Rajski

 

 

f. d. R.

 

Kühn