Bezirksversammlung Harburg

Drucksache - 20-4140.01  

 
 
Betreff: Stellungnahme zum Antrag der GRÜNEN-Fraktion betr. Zunehmender Fluglärm über Harburg
Status:öffentlichDrucksache-Art:Antwort/Stellungnahme gem. § 27 BezVG
  Bezüglich:
20-4140
Federführend:Interner Service   
Beratungsfolge:
Hauptausschuss
15.01.2019 
Sitzung des Hauptausschusses zurückgezogen / erledigt   

Sachverhalt
Beschlussvorschlag
Anlagen:
Anlage_2016_SID_Hamburg  

Sachverhalt:

Der Naturschutzbund BUND berichtet in seinem aktuellen Fluglärmreport, dass vor zehn Jahren am Hamburger Helmut-Schmidt-Airport zwar noch mehr Starts und Landungen gezählt worden seien, sich der Fluglärmteppich bis heute aber ausgedehnt habe. Der Grund ist simpel – es starten und landen in Hamburg mehr laute Flugzeuge. Die Entwicklung der Flugzeug-Lärmklassen zeige eindeutig in Richtung Belastungszunahme.

52.140 Starts und 17.670 Landungen

Sieht man sich die Statistiken der Fluglärmschutzkommission nach Flugrichtungen an, musste Hasloh im vergangenen Jahr 52.140 Starts und 17.670 Landungen ertragen – 44 Prozent der Flugbewegungen in diesem Zeitraum liefen über die Nordbahn Ohmoor/Quickborn. Grundlage für die häufige Benutzung ist eine Regel, dass besonders lärmintensive Starts in diese Richtung abgehen. Grund: Im Norden sei vor allem der Nahbereich des Flughafens, in dem die Schallpegel besonders hoch seien, kaum besiedelt. [Quelle: https://www.shz.de/19441126 ©2018]

Tagsüber ist der Lärm schwierig zu ertragen, aber nachweislich gesundheitsgefährdend werde es nachts, wenn der Schlaf nicht mehr gewährleistet ist: „Nachtflugbeschränkungen werden von den Airlines immer wieder ausgehebelt. Statistiken belegen, dass die Flugbewegungen besonders zwischen 23 und 24 Uhr stark zugenommen haben. Interessant: 79 Prozent aller Verspätungen werden durch Billigflieger verursacht, so der BUND. [Quelle: https://www.shz.de/19441126 ©2018]

Der Naturschutzbund hatte derweil bereits eine Volkspetition gestartet, wonach der Start des Nachtflugverbots auf 22 Uhr herabgesetzt werden soll, war damit aber am Senat abgeprallt mit der Begründung, eine Änderung der Betriebsgenehmigung sei nicht möglich. Diese Information stuft der BUND nach einer juristischen Prüfung als falsch ein.

„Der Senat hat die Abgeordneten an einer entscheidenden Stelle fehlerhaft informiert. So darf eine Regierung nicht mit einer Volkspetition umgehen“, erklärt Manfred Braasch, Landesgeschäftsführer des BUND Hamburg. „Die berechtigten Interessen der zigtausend Fluglärmgeschädigten dürfen nicht lapidar abgebügelt werden. Wir erwarten eine umfassende Korrektur der Senats-Informationen an die Hamburgische Bürgerschaft, damit das Parlament aufgrund von Fakten nach der Sommerpause über unsere Volkspetition entscheiden kann.“


Petitum/Beschlussvorschlag:

Die Vorsitzende der Bezirksversammlung wird gebeten, bei der BUE einen schriftlichen Bericht über den Flugverkehr über Harburg abzufordern.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bezirksversammlung Harburg       11.12.2018

Die Vorsitzende

 

 

 

Die Behörde für Umwelt und Energie nimmt zu dem Antrag der Grünen  Drs. 20-4140  wie folgt Stellung:

 

 

Flugrouten über Harburg

Nach dem Start folgen Flugzeuge festgelegten Flugrouten (s. Anl.), allerdings in der Regel nur bis zu einer Höhe von 5.000 Fuß (ca. 1.500 m). Im Bereich Harburg haben die meisten Flugzeuge diese Höhe bereits überschritten und können daher von der Flugroute abweichen.

 

Der Bezirk Harburg wird bei Starts über Niendorf/Blankenese überflogen von Maschinen, die gen Osten abdrehen, und peripher von Maschinen, die Richtung Südwesten fliegen. 2018 erfolgten bis Ende Oktober 25 % der Starts über diese Bahn, ein großer Teil dreht jedoch nach Nordwesten bzw. Westen ab. Zudem wird der Bezirk Harburg überflogen, wenn die Starts über die Bahn Alsterdorf erfolgen, was nur ca. 2 - 3 % der Gesamtstarts ausmacht. Ebenfalls nicht relevant sind die Überflüge, wenn Maschinen gen Nordosten gestartet sind und Richtung Süden fliegen. Die sind bereits über 12.000 Fuß (3.600 m) hoch bei der Überquerung des Bezirkes.

 

Die festgelegten Flugrouten gelten nicht für Landungen. In diesem Fall fliegen die Maschinen einen bestimmten Punkt an, ab dem sie ihren Endanflug beginnen. Dieser wird von der Deutschen Flugsicherung vorgegeben und beginnt bei Anflügen über die Piste Niendorf zwischen 13 km (Elbe bei Nienstedten) und 18.5 km (Höhe Estebrügge) vom Flughafen entfernt. Bis zu dem jeweiligen Punkt streuen sich die landenden Flugzeuge. 2018 landeten bis Oktober 21 % der Maschinen über die Piste Niendorf, ein Teil davon kam von Osten bzw. Südosten und flog über den Bezirk Harburg. Landungen über Norderstedt und Langenhorn fliegen zum Teil auch über den Bezirk, aber noch in sehr hohen Höhen.

 

Das Airbus-Gelände grenzt an den Bezirk Harburg. Die südliche Piste geht jedoch in Richtung Niedersachsen, so dass in erster Linie Neuenfelde von dem Fluglärm betroffen ist. Die Flugbewegungen von Finkenwerder sind im Vergleich zu den Flugbewegungen von Fuhlsbüttel gering. Zudem sind die Betriebszeiten eingeschränkt: Am Werksflughafen Finkenwerder gibt es ein Nachtflugverbot (22 - 6 Uhr), sonntags darf in der Regel auch nicht geflogen werden.

 

Lärmmessstelle

Die nächst zurückliegende Lärmmessung in den vergangenen Monaten wurde von Ende Dezember 2016 bis Ende März 2017 in Jork (Hinterstr.7) durchgeführt. Die Messergebnisse sind zu finden auf der Internetpräsenz des Flughafens Hamburg

(auf https://www.hamburg-airport.de/de/fluglaerm_laermschutz.php# unter Messtellen -> Mobile Messstelle C01).

Die dort gemessene Belastung liegt deutlich unter 50 dB(A). Der Umgebungslärm macht einen großen Anteil des Lärms in der Region aus, so dass die Fluggeräusche oft nur schwer herausgehört werden können. Der Grund ist darin zu finden, dass die Flugzeuge bei Start und auch bei Landung relativ hohe Höhen haben und damit nicht als einzelne Flugereignisse aufgezeichnet werden.

 

Der Dauerschallpegel tagsüber aus dem Fluggeräusch beträgt in Jork 42,2 dB(A). Damit zeigen die Messwerte in Estebrügge niedrigere Ergebnisse als an anderen Messstellen in und um Hamburg. Die Messstelle Quickborn liegt ca. 10 km vom Flughafen entfernt und ist durch die hohe Frequenz der Piste Norderstedt (44 % aller Ab- und Anflüge) viel höher belastet. Dort wird ein Durchschnittspegel von 55 dB(A) aus dem Fluggeräusch gemessen. Ebenso wichtig ist die Häufigkeitsverteilung von Maximalpegeln. Schon die Häufigkeit gesamt unterscheidet sich zwischen Jork und Quickborn. Die Pegelklasse ab 70 db(A) tritt in Jork nur vereinzelt auf, darüber hinaus gibt es keine Fluglärmereignisse in den höheren Klassen.

 

Beim Vergleich zwischen den Lärmwerten in Jork und den angrenzenden Orten im Bezirk Harburg muss berücksichtigt werden, dass der Messort Estebrügge durch Landungen stärker belastet ist, da er direkt unter der Flugroute liegt. Bei Starts sind Teile des Bezirkes Harburg mehr belastet als Jork, da viele Maschinen nach Erreichen der 5.000 Fuß Flughöhe die Flugroute verlassen und dann über den Bezirk fliegen. Nichtsdestotrotz  sind die Flugzeuge über dem Bezirk schon sehr hoch, so dass auch hier die Fluggeräusche relativ gering sind. Die Orte des Bezirkes Harburg sind somit geringen Lärmbelastungen ausgesetzt.

 

Beschwerdesituation im Bezirk Harburg

Aus dem Bezirk Harburg gibt es keine nennenswerten Fluglärmbeschwerden. Insgesamt waren in 2017 über 107.000 Fluglärmbeschwerden aus Hamburg und umliegenden Gemeinden zu verzeichnen. Davon kamen 18 Beschwerden aus dem Kreis Harburg, 9

Beschwerdeführer (mit 13 Beschwerden) wurden namentlich erfasst. In 2018 ist die Beschwerdelage ähnlich – validierte Zahlen für 2018 liegen noch nicht vor.

 

Anlage

Abflugrouten bei Starts am Flughafen Hamburg (Minimum Noise Routing)

 

 

 

 

 

gez. Rajski

 

f.d.R.

Riechers