Bezirksversammlung Harburg

Drucksache - 20-3901  

 
 
Betreff: Antrag DIE LINKE betr.: Harburg für Alle! - Modellprojekt "Gesundheitskiosk" - Auch für Harburg lohnenswertes Vorbild
Status:öffentlichDrucksache-Art:Antrag
Verfasser:DIE LINKE / Lohmann, Jörn / Lenthe, André / Baksi, Kadriye / Peters, Sven / Aras, Sahbattin
Federführend:Interner Service   
Beratungsfolge:
Hauptausschuss
12.06.2018 
Sitzung des Hauptausschusses      

Sachverhalt
Beschlussvorschlag

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Sachverhalt:
 

Statistisch belegt ist die Patientendichte und der Krankheitsgrad von Menschen in sogenannten sozial herausfordernden Lagen in unserer Stadt besonders hoch. Das verwundert wenig, denn ein direkter Zusammenhang zwischen Armut und Krankheit ist wissenschaftlich seit langem belegt und auch vom Senat mittlerweile eingeräumt (vgl. Prüfer-Storcks im Abendblatt vom 28.92017).

Wo allerdings mehr Menschen auf medizinische Unterstützung angewiesen sind, sind nicht nur die Auslastungen und Wartezeiten der ansässigen Arztpraxen kritischer, sondern da ist zwangsläufig auch die mögliche Zeit, die Ärzte sich im Patientengespräch abseits der reinen Beschwerden oder Erkrankungen für beratende und klärende Kontakte mit den Betroffenen nehmen können, geringer. Ein Problem, dass angesichts vieler Aufnahmestopps und enorm frequentierter Praxen in vielen Teilen Hamburgs Alltag ist, so auch in unserem Bezirk, insbesondere bei Haus- oder Kinderärzt_innen.

Um aber genau diese wichtigen Angebote für Patient_innen und Interessierte dennoch gezielt und kompetent gewährleisten zu können, hat sich in Billstedt (HH-Mitte) seit letztem Jahr ein im ganzen Bundesgebiet einmaliges wie niedrigschwelliges Modellprojekt sehr erfolgreich etabliert, das auch für andere Bezirke wie Harburg durchaus Vorbild sein kann bzw. sollte – Der „Gesundheitskiosk“.

Von 8 bis 18 Uhr wochentags und von 10 bis 16 Uhr an Samstagen bietet dort, nahe eines gut besuchten Einkaufszentrums, ein medizinisch geschultes bzw. ausgebildetes mehrsprachiges achtköpfiges Team Gesundheits- und Ernährungsberatung, die Vermittlung passender medizinischer Hilfen oder weiterführender Angebote von Vereinen und Einrichtungen in der Umgebung, Kurse und Vorträge zu Medizin und Gesundheit aber auch Betreuung und Hilfe rund um den Arztbesuch an – alle Leistungen erfolgen dabei komplett unentgeltlich.

Weil gerade auf diese Weise eine sehr wirkungsvolle Vorsorge/ Vorbeugung und Bewusstseinsschärfung in der betroffenen Öffentlichkeit zu positiver Lebensweise und Krankheitsverläufen beitragen kann, aber andererseits etwa auch die gezielte Aufsuchung der geeigneten medizinischen Versorgung und die Betreuung im Nachgang von Behandlungen verbessert werden kann, lassen sich auf diese Weise auch die Praxen entlasten. Gleichzeitig lassen sich dadurch auch in nicht hinreichend versorgten oder perspektivisch stark wachsenden Wohnlagen vorübergehend Versorgungsengpässe abmildern, bis die entsprechenden Angebote dauerhaft verfügbar sind.

Fachkundige Erläuterungen zur Arbeitsweise sowie zu Chancen und Grenzen dieses Modellprojektes, als auch Transparenz über Voraussetzungen und Gegebenheiten für die Schaffung eines oder mehrerer vergleichbarer Angebote im Bezirk Harburg in operativer, technischer und finanzieller Dimension sind daher von hohem Interesse, gerade für Stadtteile wie Neuwiedenthal, Harburg-Kern oder Neugraben.


 

 

 

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Petitum/Beschlussvorschlag:


 

Die Bezirksversammlung möge beschließen:

Die Vorsitzende der Bezirksversammlung wird aufgefordert,

  1. zum nächstmöglichen Zeitpunkt sowohl Mitarbeiter_innen bzw. Oranisator_innen des Modellprojektes „Gesundheitskiosk“ aus Billstedt für eine ganzheitliche Darstellung ihrer täglichen Aufgaben und Arbeitsweise in den zuständigen Fachausschuss für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz der Bezirksversammlung Harburg einzuladen.


 

  1. ressortverantwortliche Vertreter_innen der zuständigen Fachbehörde für Gesundheit und Verbraucherschutz der Freie und Hansestadt Hamburg und zuständige Vertreter_innen des Bezirksamtes Harburg zu selbiger Sitzung einzuladen, um umfassend über die notwendigen Voraussetzungen und die zeitlichen wie finanziellen Anforderungen für die Schaffung eines oder bestmöglich mehrerer vergleichbarer Angebote im Bezirk Harburg zu informieren. Die Stadtteile Neugraben/Fischbek und Harburg-Kern sollen hierbei mit ihren eigenen Gegebenheiten besonders im Fokus der anzustellenden Überlegungen stehen.