Bezirksversammlung Harburg

Drucksache - 20-3887  

 
 
Betreff: Antrag NEUE LIBERALE: Tablet Computer für Harburger Schülerinnen und Schüler an Grund- und weiterführenden Schulen. - Realisierungs- und Fördermöglichkeiten sowie Pilotprojekte prüfen.
Status:öffentlichDrucksache-Art:Antrag
Verfasser:Neue Liberale Fraktion Harburg / Wiest, Isabel / Wolkau, Kay / Lewy, Barbara
Federführend:Interner Service   
Beratungsfolge:
Hauptausschuss
12.06.2018 
Sitzung des Hauptausschusses      

Sachverhalt
Beschlussvorschlag

Sachverhalt:

Um die Beschlüsse der Kultusministerkonferenz umzusetzen, die Schulen verstärkt zu digitalisieren und mit modernen IT-Systemen auszustatten, werden Tablet-Computer bundesweit in vielen Schulen im Unterricht eingesetzt.

So lernen beispielsweise Kinder der Wiesbachschule Grundschule im Hochtaunuskreis im Rahmen eines beispielhaften Pilotprojekts, mit Tablets.

Auch an der Ludwig-Uhland-Schule in Wendlingen wird das Arbeiten mit Tablet Computern bereits seit 2014 umgesetzt. Zunächst im Rahmen des zweijährigen Projekts „Ideen bewegen“. Sechs weiterführende Schulen, zwei davon in Niedersachsen und vier in Baden-Württemberg, wurden für das Pilotprojekt seinerzeit ausgewählt. Die Tablets kamen von einem großen Elektronikkonzern.

Das Gymnasium München Grünwald ist eine von bayernweit inzwischen 4300 Schulen, an denen die digitale Lernplattform "Mebis" auf Tablet Computern eingesetzt wird. Das Kultusministerium spricht von 750 000 Nutzern.

Auch in Hamburg gab es 2014 ein auf zwei Jahre angelegtes Pilotmodell („Start in die nächste Generation“), das durch den Erziehungswissenschaftler der UNI Hamburg Prof. Rudolf Kammerl evaluiert wurde und bei dem an den sechs teilnehmenden Schulen eigene Tabletcomputer oder Smartphones genutzt werden konnten.

Die Kinder erweitern durch die Nutzung von Tablet Computern frühzeitig ihre digitalen Kompetenzen über alle Schulfächer hinweg.

Sie erwerben eine digitale Mündigkeit, lernen, die Gefahren von Internet und digitaler Welt zu erkennen und trotzdem die Chancen moderner Medien verantwortungsvoll zu nutzen.

Kinder auf die digitale Zukunft vorzubereiten, ist gesellschaftlicher Konsens. In der schulischen Realität fehlt aber oft der digitale Standard.

Das digitale Arbeiten hat viele Vorteile. In der Regel haben schon Erstklässler Erfahrungen im Umgang mit dem Tablet, dem Bedienen von Apps und dem Surfen im Internet. Dass die Kinder sehr technikaffin sind, zeigt sich bereits nach den ersten acht Monaten der Pilotprojekte.

Übungen am Tablet, die dem Automatisieren von Lerninhalten dienen – wie zum Beispiel das Trainieren des Einmaleins oder das Erweitern des Wortschatzes bei Flüchtlingskindern – erweisen sich als besonders geeignet und effektiv.

Das differenzierende Unterrichten ist leichter möglich, die Technik unterstützt die Inklusion und das Lernen in heterogenen Gruppen.

Union und SPD versprechen in ihrem Koalitionsvertrag, dass die Schüler in allen Fächern künftig eine digitale Lernumgebung nutzen können. Der Bund stellt 5 Milliarden Euro in fünf Jahren bereit, davon 3,5 Milliarden in dieser Legislaturperiode.

Gegenstand des Digitalpakts Schule, mit dem die Regierung Deutschlands Schulen internettauglich machen will, sei die Finanzierung von ad hoc nutzbaren Tablet-Endgeräten allerdings nicht. Die wichtiger werdende Funktion dieser Geräte für den Unterricht habe lediglich beim Regelbedarf „bereits zu einer Veränderung der rechtlichen Bewertung“ geführt. Das Sozialressort stellte fest: „Sofern Schüler-Endgeräte als Lernmittel eingestuft werden, liege die Regelungshoheit bei den Ländern.

Der Verweis auf den Regelbedarf des Arbeitslosengelds II hilft den Schülern aber nicht weiter. Der Zugang zu digitaler Bildung darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen.

Gerade der Bezirk Harburg leistet in seinen Schulen eine beispielhafte Integrations- und Inklusionsleistung bei einer teilweise herausfordernden Sozialstruktur. Der Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund und der Anteil von Schülern Alleinerziehender und derer, deren Eltern Transferleistungen empfangen, ist hoch.

Gleichzeitig ist Harburg Standort der wachsenden Technischen Universität Hamburg Harburg (TUHH), seiner angegliederten Institute und Start Ups, des HIT Technoparks, des Innovation Ports sowie großer Unternehmen wie Asklepios, Helios, Daimler und Airbus.

All diese Gegebenheiten prädestinieren die Schulen im Bezirk Harburg, sich um Pilotprojekte, Patenschaften und Kooperationen im Bereich der digitalen Lernumgebung und damit den Einsatz von Tablet Computern im Unterricht an Grund- und weiterführenden Schulen ernsthaft zu bemühen.

 

 


Petitum/Beschlussvorschlag:

Die Vorsitzende der Bezirksversammlung wird gebeten, Vertreter der Schulbehörde in den zuständigen Fachausschuss einzuladen, um über Pilotprojekte an Hamburger Schulen, Antrags-, Förder-, Kooperation- und Finanzierungsmöglichkeiten sowie die exemplarische Evaluationen vorhandener Pilotprojekte in Hamburg zu berichten.

Explizit erläutert werden soll auch das Projekt der TU Harburg und der Joachim Herz Stiftung für den Einsatz digitaler Medien im Unterricht und wie und ob seine geplante Finanzierung u.a. über Mittel des Bundes gesichert ist. Dabei soll auch das Internetportal „digital.learning.lab“ vorgestellt werden.

Sofern es bereits Erfahrungen an Harburger Schulen (bspw. Maretstraße) mit dem Einsatz von Tablet Computern gibt, sind Vertreter der Schulen, die diesen Einsatz maßgeblich begleiten und initiieren bzw. dies getan haben, ebenfalls in den Ausschuss zu laden.

 

Antrag der Abgeordneten Isabel Wiest, Kay Wokau, Barbara Lewy

Harburg, 07.06.2018

Kay Wolkau

Fraktionsvorsitzender

f. d. R.