Bezirksversammlung Harburg

Drucksache - 20-3858.01  

 
 
Betreff: Antwort Kleine Anfrage gem. § 24 BezVG NEUE LIBERALE: Mikro-Appartements, Mikro-Wohnen und sog. "Smartments". Auswirkungen der aktuellen Entwicklung: Wieviele Kleinstwohneinheiten verträgt der Bezirk?
Status:öffentlichDrucksache-Art:Antwort / Stellungnahme des Bezirksamtes
  Bezüglich:
20-3858
Federführend:Zentrum für Wirtschaftsförderung, Bauen und Umwelt (WBZ) Beteiligt:D 4 - Dezernat Wirtschaft, Bauen und Umwelt
Beratungsfolge:
Hauptausschuss
12.06.2018 
Sitzung des Hauptausschusses zurückgezogen / erledigt   

Sachverhalt
Beschlussvorschlag

Sachverhalt:

Das Segment Mikro-Wohnen ist derzeit ein Markt, der über zahlreiche offene Immobilienfonds für kleinteiliges Wohnen Renditen von bis zu 6% verspricht, und den auch Investoren im Bereich des Bezirks Harburg zunehmend für sich erkannt haben.

Darüber hinaus werden private Investoren mit den Förderrichtlinien der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt „Wohnen für Studierende und Auszubildende“ bei der Schaffung von preisgünstigem Wohnraum für die genannten Zielgruppen unterstützt (siehe Drs. 20/7479).

Mikro-Appartements oder neuerdings auch „Smartments“ genannte Kleinstwohneinheiten liefern im Schnitt höhere Erträge als die üblichen Zwei-, Drei- und Vier- Zimmer-Wohnungen, weil sich auf den Quadratmeter gerechnet höhere Mieten durchsetzen lassen. Ist die Mikro-Wohnung möbliert oder teilmöbliert und wird sie für einen begrenzten Zeitraum vermietet, gelten außerdem weder Mietpreisspiegel noch Mietpreisbremse. So kommt man in manchen Zimmern incl. aller Nebenkosten auf Quadratmeterpreise von bis zu 25 €.

Wir sehen diese Entwicklung stadtplanerisch und im Hinblick auf die Entwicklung der Miethöhen und die Sozialstruktur des Bezirks begründet kritisch. Die Bedarfe werden mitunter durch selbstgegründete Institute der Branche mit engen Verbindungen zu großen Hotelentwicklern dargestellt, was in unseren Augen nicht unabhängig ist.

Wir möchten verhindern, dass die derzeitig von hohen Gewinnerwartungen getriebene Herstellung von Kleinstwohneinheiten zu einem Überangebot und langfristig zu einer anderen Art der Belegung und der Eigentümerstruktur der Häuser führt als Projektentwickler Glauben machen wollen.

 

Um die Entwicklung und die langzeitigen Folgen für den Bezirk in den Blick zu nehmen,  

bitten wir die Verwaltung um die Beantwortung folgender Fragen:

 
 

1.     Wieviele sog. Mikro-Appartements und Kleinstwohneinheiten bzw. Boarding-appartements wurden in den Jahren 2012-2018 im Bezirk Harburg hergestellt? Bitte nach Jahr aufschlüsseln. Wieviele befinden sich derzeit bereits in der Planung?

 

2.     Bitte in einer Tabelle darstellen, in welchen Stadtteilen des Bezirks sich diese Wohneinheiten mit ihrer genauen Anzahl bereits befinden, bzw. sofern bereits in Planung begriffen, befinden werden.

 

3.     Wie stellt sich die Wohnfläche in den jeweiligen Kleinstwohneinheiten dar? Wieviele Quadratmeter hat eine Wohneinheit? Bitte nach Objekten und deren Belegenheiten aufschlüsseln.

 

4.     Wie viele der Wohneinheiten sind nicht möbliert, möbliert, bzw. teilmöbliert? Wie hoch ist, je nachdem, was aufgerufen wird, die Brutto- bzw. Nettomiete pro Quadratmeter in den einzelnen Objekten und den jeweiligen Wohneinheiten?

 

5.     Existieren branchenunabhängige Studien, die die Bedarfe und die langzeitigen Folgen des verstärkten Baus von Mikro Appartementhäusern auf die Sozialstruktur von Städten ermitteln? Wenn ja, welche sind das? Wenn nein, wer wäre für die Beauftragung so einer unabhängigen Studie zuständig?

 

6.     Wieviele der bereits fertig gestellten Mikro-Appartement-Komplexe haben bereits den Eigentümer gewechselt? Welche Objekte sind das? An welche Eigentümer wechselten die Objekte?

 

7.     Existieren Erkenntnisse über die Belegungsstruktur der einzelnen Häuser? Wenn ja, wie hoch ist der Anteil eingeschriebener Studenten an der Mieterschaft der einzelnen Objekte? Wie hoch ist der Anteil unter den Mietern, die Transferleistungen bzw. Grundsicherung beziehen? Werden die Wohneinheiten auch als sog. Monteurzimmer genutzt?

 

8.     Sollten keine Erkenntnisse über die tatsächliche Belegungsstruktur der Häuser vorliegen, wer ist für deren Erhebung und die langzeitige Betrachtung der Sozialstruktur zuständig, sofern die Ein-Zimmer Anlagen nicht, wie häufig angekündigt, nur an Studenten oder Berufspendler vermittelt werden?

 

Anfrage der Abgeordneten Isabel Wiest, Kay Wolkau, Barbara Lewy

Harburg, 24.05.2018

Kay Wolkau

Fraktionsvorsitzender

f. d. R.

 

 


FREIE UND HANSESTADT HAMBURG

Bezirksamt Harburg

 

 

06. Juni 2018

 

Das Bezirksamt Harburg nimmt zu der Anfrage der Neue Liberale Fraktion (Drs. 20-3858) wie folgt Stellung:

 

Vorwort:

„Mikro-Appartements“ „Kleinstwohneinheiten“ und Boardingappartements“ sind keine baurechtlichen Begriffe.

Eine planungsrechtliche Einordnung erfolgt jeweils im Einzelfall und unter Würdigung der individuellen Betriebsbeschreibungen. Eine Erfassung von Nutzungsarten erfolgt nicht.

Lediglich im Rahmen des Vertrages für Hamburg werden explizit eine detailliertere Wohnungsbausteuerung, Genehmigungen und Anzahl der Wohneinheiten statistisch erfasst. Eine Differenzierung der Nutzungsarten im gewünschten Sinne für den Zeitraum 2012 – 2018 müsste händisch erfolgen.

Im Bezirk Harburg werden jährlich ca. 800 Anträge bearbeitet. Für den Zeitraum wären mindestens 5250 Anträge zu prüfen mit einem Zeitaufwand von ca. 20 Minuten im Durchschnitt. Für die Beantwortung ist somit ein Zeitaufwand von 1.750 Stunden oder ca. 46 Wochen für einen Mitarbeiter/ eine Mitarbeiterin erforderlich.

Die Beantwortung der Fragen stellt einen unverhältnismäßigen, nicht leistbaren Verwaltungsaufwand dar.

 

1.    Wieviele sog. Mikro-Appartements und Kleinstwohneinheiten bzw. Boarding-appartements wurden in den Jahren 2012-2018 im Bezirk Harburg hergestellt? Bitte nach Jahr aufschlüsseln. Wieviele befinden sich derzeit bereits in der Planung?

Siehe Vorwort.

2.    Bitte in einer Tabelle darstellen, in welchen Stadtteilen des Bezirks sich diese Wohneinheiten mit ihrer genauen Anzahl bereits befinden, bzw. sofern bereits in Planung begriffen, befinden werden.

Siehe Vorwort.

3.    Wie stellt sich die Wohnfläche in den jeweiligen Kleinstwohneinheiten dar? Wieviele Quadratmeter hat eine Wohneinheit? Bitte nach Objekten und deren Belegenheiten aufschlüsseln.

Siehe Vorwort.

4.    Wie viele der Wohneinheiten sind nicht möbliert, möbliert, bzw. teilmöbliert? Wie hoch ist, je nachdem, was aufgerufen wird, die Brutto- bzw. Nettomiete pro Quadratmeter in den einzelnen Objekten und den jeweiligen Wohneinheiten?

Dazu hat das Bezirksamt keine Erkenntnisse.

5.    Existieren branchenunabhängige Studien, die die Bedarfe und die langzeitigen Folgen des verstärkten Baus von Mikro Appartementhäusern auf die Sozialstruktur von Städten ermitteln? Wenn ja, welche sind das? Wenn nein, wer wäre für die Beauftragung so einer unabhängigen Studie zuständig?

Dazu hat das Bezirksamt keine Erkenntnisse. Siehe auch Vorwort.

6.    Wieviele der bereits fertig gestellten Mikro-Appartement-Komplexe haben bereits den Eigentümer gewechselt? Welche Objekte sind das? An welche Eigentümer wechselten die Objekte?

Siehe Vorwort.

7.    Existieren Erkenntnisse über die Belegungsstruktur der einzelnen Häuser? Wenn ja, wie hoch ist der Anteil eingeschriebener Studenten an der Mieterschaft der einzelnen Objekte? Wie hoch ist der Anteil unter den Mietern, die Transferleistungen bzw. Grundsicherung beziehen? Werden die Wohneinheiten auch als sog. Monteurzimmer genutzt?

Die Nutzung von Wohnungen in Wohngebieten als Monteurzimmer wäre eine gesetzeswidrige Wohnraumzweckentfremdung. Siehe dazu Drs. 20-1937 (Zweckentfremdung von Wohnraum). Über die Belegungsstruktur hat das Bezirksamt ansonsten keine Erkenntnisse.

8.    Sollten keine Erkenntnisse über die tatsächliche Belegungsstruktur der Häuser vorliegen, wer ist für deren Erhebung und die langzeitige Betrachtung der Sozialstruktur zuständig, sofern die Ein-Zimmer Anlagen nicht, wie häufig angekündigt, nur an Studenten oder Berufspendler vermittelt werden?

Siehe Vorwort.

 

 

 

Trispel