Bezirksversammlung Harburg

Drucksache - 20-3812  

 
 
Betreff: Antrag SPD betr. Umgestürzte Kastanie in der Bremer Straße - Baum-Monitoring
Status:öffentlichDrucksache-Art:Antrag
Verfasser:SPD-Fraktion / Gajewski, Katharina / Schmager, Ronja / Olowson-Saviolaki, Eftichia / Schucher, Jan-Philipp
Federführend:Interner Service   
Beratungsfolge:
Hauptausschuss
08.05.2018 
Sitzung des Hauptausschusses ungeändert beschlossen / überwiesen   
Ausschuss für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz
22.01.2019 
Sitzung des Ausschusses für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz zurückgezogen / erledigt   

Sachverhalt
Beschlussvorschlag

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Sachverhalt:
 

Ende April stürzte aus bislang ungeklärten Gründen in der Bremer Straße eine mehr als 100 Jahre alte Rosskastanie um. Nur durch Zufall kam es zu keinen Sach- oder gar Personenschäden, die über den Verlust des Baumes hinausgingen.

 

Laut der Pressesprecherin des Bezirksamtes war eine Erkrankung des Baumes dem Bezirksamt zuvor nicht bekannt. Deshalb sei eine nachträgliche Untersuchung beauftragt worden.

 

Inzwischen droht das Verschwinden der Rosskastanien aus dem Stadtbild. Gleich zwei Gründe sind dafür bekannt. Zum Einen die Minimiermotte, ein Insekt, welches vorwiegend die weißblütigen Rosskastanien befällt und durch die Fresstätigkeit der Larven die Blätter zerstört - ohne allerdings zu lebensbedrohlichen Konsequenzen für den Baum zu führen. Zum Anderen ein Befall durch das Bakterium Pseudomonas syringae pv. aesculi (bakterielles Rosskastanien-Sterben).

 

Beim Rosskastanien-Sterben handelt es sich um eine Komplexkrankheit. Das Bakterium an sich richtet keinen großen Schaden an. Gefährlich sind die Pilze, welche die entstehenden Eintrittspforten nutzen. Sie zerstören den stabilen Holzkörper, durchtrennen Leitbahnen und lassen das Holz aufreißen. Letztlich stirbt der Baum ab - manchmal innerhalb weniger Wochen.

 

Die ersten Funde der Krankheit waren im Jahr 2007 in Hamburg. Von da hat sich das Bakterium im Nord-Westen Deutschlands ausgebreitet. Mittlerweile gehen Wissenschaftler von einer Besiedlung in ganz Deutschland und Teilen Mitteleuropas aus. Warum sich die Krankheit plötzlich so stark ausbreiten konnte ich nicht bekannt. Eine Möglichkeit ist das vermehrte Vorkommen der Rosskastanien-Miniermotte in den letzten Jahren. Sie schwächt die Bäume über Jahre hinweg und macht sie anfällig für neue Krankheitserreger. Dadurch erklärt sich jedoch nur der Befall von weißblühenden Kastanien. Pseudomonas befällt aber beide, rot- und weißblühende Kastanien. (vgl. https://www.baumpflegeportal.de/baumpflege/bakterielles-rosskastanien-sterben-kastanie-in-gefahr/)

 

Ein wirksames Mittel gegen bakterielles Rosskastanien-Sterben war lange nicht verfügbar. Im Jahr 2011 haben Forscher der Universität Wageningen (NL) ein Verfahren entwickelt, bei dem mit mehrtägiger Erwärmung auf ca 40 Grad mittels eines Wärmemantels das Bakterium vernichtet werden kann, ohne dem Baum zu schaden (vgl. Heat treatment against bleeding canker of horse chestnut available; https://www.wur.nl/en/newsarticle/Heat-treatment-against-bleeding-canker-of-horse-chestnut-available.htm). Seit 2016 werden Behandlungen von befallenen Bäumen durch Lizenznehmer durchgeführt).

 

Inzwischen werden bei Nachpflanzungen vermehrt andere Baumarten eingesetzt.

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Petitum/Beschlussvorschlag:
Die Verwaltung wird gebeten einen Referenten in den Ausschuss für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz zu entsenden, um über die Ursachen für das Umfallen des Baumes in der Bremer Straße zu berichten. Zudem ist über den Bestand an Bäumen im Bezirk und deren Zustand sowie dem Verfahren des Zustandsmonitorings zu berichten. Insbesondere sind die Standorte weiterer durch bakterielles Rosskastanien-Sterben möglicherweise gefährdeter Bäume sowie den vorwiegend verwendeten Baumarten bei Nach- und Neupflanzungen zu berichten.