Bezirksversammlung Harburg

Drucksache - 20-3554  

 
 
Betreff: Antrag CDU betr. Erhalt der Katholischen Schulen in Harburg I
Status:öffentlichDrucksache-Art:Antrag
Verfasser:CDU-Fraktion / Fischer, Ralf-Dieter / Schneider, Uwe / Fischer-Pinz, Brit-Meike / Jaeger, Antje
Federführend:Interner Service   
Beratungsfolge:
Bezirksversammlung Harburg
27.02.2018    Sitzung der Bezirksversammlung Harburg      

Sachverhalt
Beschlussvorschlag

Sachverhalt:
"Mehr als 9.000 Schülerinnen und Schüler von der Vorschulklasse bis zum 12. Jahrgang haben sich für den größten privaten Schulanbieter in der Hansestadt, das Erzbistum Hamburg, entschieden. Und das aus gutem Grund. Denn nicht nur die Zahlen sprechen für sich. 45 % aller Privatschüler in Hamburg besuchen eine katholische Bildungseinrichtung. Kinder und Jugendliche genießen an unseren Standorten eine exzellente Ausbildung, mit der sie auf die Herausforderungen einer globalisierten Welt optimal vorbereitet werden. Und das in einer Atmosphäre der Geborgenheit, des Vertrauens und des gegenseitigen Respekts. ... Wir eröffnen den jungen Menschen zudem neue Zugänge zum Glauben, stärken ihr Verantwortungsbewusstsein und fördern das solidarische Handeln. So dienen unsere Schulen der Lebensorientierung und Persönlichkeitsentwicklung. ... Dieses Privatschulsystem gehört nicht nur zu den anspruchsvollsten, sondern auch zum günstigsten in der Stadt." (Dr. Christopher Haep, Leiter Abteilung Schule und Hochschule Erzbistum Hamburg in Schulen im Erzbistum Hamburg, Ausgabe 2018). 

Die katholischen Schulen im Bezirk Harburg leisten seit vielen Jahrzehnten eine hervorragende und aus dem Bildungswesen nicht wegzudenkende Arbeit. Mit den katholischen Schulen nimmt die Kirche ihre Erziehungs- und Bildungsverantwortung wahr und trägt zur Vielfalt des Schulangebotes bei.

Die Nachfrage nach einem Platz an einer katholischen Schule ist sowohl in Hamburg, als auch insbesondere in Harburg hoch, obgleich es ausreichende staatliche oder sonstige private Angebote gibt und bei den meisten Eltern der an katholischen Schulen angemeldeten Kinder und Jugendlichen nicht die konfessionelle Bindung im Vordergrund steht. Der überwiegende Teil der Eltern schickt die Kinder auf katholische Schulen, weil er hofft, dass der Nachwuchs hier besser und geborgener, als an anderen Schulen unterrichtet wird. Dieses gilt insbesondere, weil die katholischen Schulen zahlenmäßig kleiner, überschaubarer, familiärer sind und die Schülerinnen und Schüler mehr zu ethischer Reflektion, wertorientierter Haltung und verantwortlicher Weltgestaltung befähigen.

Leider ist der Erhalt der Angebotsvielfalt gerade in dem vergleichsweise schwierigen Sozialraum Harburg nunmehr offenbar durch jahrelange Misswirtschaft des Erzbistums Hamburg stark gefährdet. Vertreter des Bistums haben öffentlich erklärt, die wirtschaftliche Lage hätte bei einer GmbH zwingend ein Insolvenzverfahren bedeutet. In diesem Zusammenhang ist bedauerlich, dass das Erzbistum nicht alle Kraft in den Erhalt der katholischen Schulen im Bezirk Harburg einbringt, sondern lediglich zu der auch noch miserabel kommunizierten Entscheidung gelangt ist, die drei Harburger Schulen zu schließen. Üblicherweise dient ein Insolvenzverfahren in der Regel dazu, ein Unternehmen zu sanieren und im Interesse der Betroffenen weiterzuführen.

Darüber hinaus sind die vom Erzbistum vorgelegten Zahlen weitgehend nicht nachvollziehbar und offenbar lediglich so abgestimmt, dass man die Notwendigkeit von Schließungen in irgendeiner Weise begründen kann. Die vom Erzbistum vorgelegten wirtschaftlichen Bedingungen und die Entwicklungsfähigkeit der zu schließenden Standorte sind widersprüchlich und offenbar nur zielorientiert auf Schließung abgestimmt. Dabei ist beispielsweise für den Bereich im Kerngebiet Harburg in keiner Weise berücksichtigt, dass seitens Gebäude- und Grundstücksvermieter seit geraumer Zeit dem Erzbistum ein neuer modifizierter Mietvertrag zu günstigeren Konditionen in Aussicht gestellt worden ist. Eine Reaktion des Erzbistums Hamburg darauf hat es nicht gegeben, vielmehr wird das Argument des alsbald auslaufenden Mietvertrages als zusätzlicher Schließungsgrund herangezogen.


Petitum/Beschlussvorschlag:

Die Bezirksversammlung beschließt:

Die Vorsitzende der Bezirksversammlung wird gebeten, dem Erzbistum Hamburg unmissverständlich mitzuteilen, dass die Bezirksversammlung Harburg im Interesse der vielen betroffenen Schüler, Eltern und Lehrer und im Hinblick auf die Beibehaltung einer Angebotsvielfalt im Bildungsbereich den Erhalt aller drei katholischen Schulen in Harburg erwartet.

Dabei möge das Erzbistum alle Möglichkeiten einer wirtschaftlichen Konsolidierung gegebenenfalls mit staatlichen Stellen, engagierten Bürgern und anderen Erzbistümern oder kirchlichen Einrichtungen prüfen und zielgerichtet Vorschläge erarbeiten, die den vollständigen Erhalt des Harburger Schulangebotes ermöglichen. Dabei ist der schulischen Bildung Priorität vor anderen Angeboten einzuräumen. In Betracht kommen kann auch die Herauslösung der Harburger Schulen, die bis zur Gründung des Erzbistums Hamburg dem Erzbistum Hildesheim unterstellt waren und beispielsweise die Rückführung, zumal das Erzbistum Hildesheim derzeit 39 katholische Schulen entsprechend dem kirchlichen Bildungsauftrag unterhält und diese wirtschaftlich gesund betrieben werden.

Die Vertreter des Erzbistums mögen die von ihnen angedachte Zeit eines Moratoriums für die Schulen in Harburg und Neugraben so nutzen, dass nicht wieder Jahre für die Neuordnung vertan werden, wie dieses offenbar der Fall war, nachdem der Standort der Stadtteilschule Neugraben-Fischbek 2013 aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben worden ist, ohne dass dieses zu einer Konsolidierung bei den anderen Schulen beigetragen hätte.

Ferner möge das Erzbistum die Bezirksversammlung Harburg regelmäßig über Zwischenergebnisse von Verhandlungen und Bemühungen unterrichten.

Hamburg, am 12.02.2018

Ralf-Dieter Fischer                                           Uwe Schneider
Fraktionsvorsitzender                                       Brit-Meike Fischer-Pinz
                                                                         Dr. Antje Jaeger