Bezirksversammlung Harburg

Drucksache - 20-3541  

 
 
Betreff: Antrag DIE LINKE betr.: Harburg für Alle! - Normalzustand Aufnahmestopp - Wie sehen die Strategien und Maßnahmen im Bezirk Harburg aus?
Status:öffentlichDrucksache-Art:Antrag
Verfasser:DIE LINKE / Lohmann, Jörn / Lenthe, André / Baksi, Kadriye / Peters, Sven / Aras, Sahbattin
Federführend:Interner Service   
Beratungsfolge:
Bezirksversammlung Harburg
27.02.2018 
Sitzung der Bezirksversammlung Harburg abgelehnt   

Sachverhalt
Beschlussvorschlag

Sachverhalt:

Die wohnortnahe medizinische Versorgung aller Mitbürger_innen unseres Bezirks zu gewährleisten, ist eine grundlegende Aufgabe der Daseinsfürsorge, zu welcher die Stadt Hamburg verpflichtet ist.

Dennoch ist die Realität gerade im Bezirk Harburg, wie auch in vielen anderen Bezirken im Stadtgebiet leider eine grundlegend andere. Insbesondere bei Hausarzt- und Kinderarztpraxen müssen erstmalig vorstellige Patient_innen häufig mit Zurückweisungen wegen bereits zu hoher Auslastungen leben und finden nur sehr schwierig bis gar keine Praxis in ihrer direkten Wohnlage. Ein Umstand auf den zuletzt ein offener Brief einer besorgten Mutter an die Bezirksversammlung aufmerksam machte, die nach Marmstorf zieht und trotz angeblich „guter“ Versorgungslage keine Chance hat ihre beiden kleinen Kinder vor Ort ärztlich betreuen zu lassen. Lange Wege und nicht zuletzt einhergehende Kosten sind in derartigen Zusammenhängen mehr als nur ein Ärgernis.

Gerade für Kinder und ältere Menschen bzw. für chronisch Kranke sind diese Unterversorgungszustände schlicht inakzeptabel. Außerdem muss angesichts der in vielen Stadtteilen Harburgs von prekären Einkommensverhältnissen geprägten Lebenswirklichkeit ein Arztbesuch im erweiterten bezirklichen oder gar überbezirklichen Kontext, für den zwangsläufigen Preis mindestens einer Tageskarte, als problematisch gelten.

Angesichts einer aktuellen Anfrage der Fraktion DIE LINKE. in der Hamburgischen Bürgerschaft (vgl. Drs. 21/ 11112: https://www.buergerschaft-hh.de/ParlDok/dokument/60080/entwicklung-verteilung-und-inanspruchnahme-der-ambulanten-%c3%a4rztlichen-versorgung-und-der-vertrags%c3%a4rztlichen-bedarfsplanung-in-hamburg.pdf ) ist die Gesamtversorgungssituation mit Hausarztpraxen in unserem Bezirk lediglich in 2 Stadtteilen sehr gut (Cranz und Harburg-Kern) und weiteren 2 gut (Wilstorf und Marmstorf). In den restlichen 14 Stadtteilen stellt sie sich hingegen als überwiegend sehr stark bis extrem unterversorgt dar. Bei Kinderarztpraxen ist die Lage sogar noch deutlich kritischer. Hier ist nur 1 Stadtteil sehr gut versorgt (Harburg-Kern), 2 weitere gut (Hausbruch und Marmstorf) der Rest ist praktisch durchweg extrem unterversorgt.

Diese Situation ist bereits jetzt unhaltbar und wird sich durch die zu erwartende Steigerung der Bevölkerungszahlen in unserem Bezirk sehr bald weiter dramatisieren. Deshalb ist Transparenz zur herrschenden Unterversorgung sowie zum gegenwärtigen Aufnahmestopp bei den Praxen der Allgemein- wie der Kindermedizin einerseits dringend geboten. Zum anderen müssen die laufenden und geplanten Schritte zur umgehenden Verbesserung dieser Mangelversorgung ausführlich besprochen werden.

 

 


Petitum/Beschlussvorschlag:

Die Bezirksversammlung möge beschließen:

Die Vorsitzende der Bezirksversammlung wird gebeten, möglichst zeitnah Vertreter_innen der zuständigen Fachabteilung der Gesundheitsbehörde sowie mit dieser Sachlage befasste Referent_innen der kassenärztlichen Vereinigung und Mitarbeiter_innen der zuständigen Fachabteilung der Bezirksverwaltung Harburg in den Ausschuss für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz der BV Harburg einzuladen, um

  1. über die aktuelle Anzahl und Auslastung/ Aufnahmestopps der allgemeinmedizinischen, fachärztlichen sowie der kindermedizinischen Praxen in allen 16 Stadtteilen des Bezirks Harburg zu berichten.
  2. die laufenden sowie die unmittelbar und mittelbar geplanten Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgungssituation in diesen beiden ambulanten Bereichen vorzustellen und zu erläutern.
  3. Für eine zusätzliche Expert_innenmeinung zu diesem komplexen Themenfeld und den notwendigen wie ergreifbaren Maßnahmen soll überdies ein_e Vertreter_in des Fachressorts Gesundheit der Verbraucherschutzzentrale Hamburg als Referent_in zu dieser Sitzung des Ausschusses geladen werden.