Bezirksversammlung Harburg

Drucksache - 20-3521  

 
 
Betreff: Antrag SPD betr. Vierte Reinigungsstufe - oder wie kommen die letzten 5 Prozent aus dem Abwasser?
Status:öffentlichDrucksache-Art:Antrag
Verfasser:SPD-Fraktion / Gajewski, Katharina / Schmager, Ronja / Olowson-Saviolaki, Eftichia / Schucher, Jan-Philipp
Federführend:Interner Service   
Beratungsfolge:
Bezirksversammlung Harburg
27.02.2018 
Sitzung der Bezirksversammlung Harburg geändert beschlossen / überwiesen   

Sachverhalt
Beschlussvorschlag

Sachverhalt:

 

Nach jahrelanger Berichterstattung und Untersuchungen über die Wege von Arzneimittelrückständen im Abwasser wurde im Oktober 2017 im Bayrischen Weißenburg eine Kläranlage eingeweiht, die erstmals noch besser als bisher Medikamentenrückstände aus dem Abwasser herausfiltert. Dazu wurde die Anlage um eine sogenannte vierte Reinigungsstufe erweitert. Diese besteht aus einer mit zwei Filtern ausgestatteten Anlage, über die Medikamentenrückstände durch Sauerstoffzufuhr aufgespalten und beseitigt werden sollen.

Parallel laufende Messungen würden die Ergebnisse der Reinigung überprüfen, hieß es. Der Bau der neuen Anlage dauerte rund ein Jahr. Die Kosten belaufen sich den Angaben zufolge auf rund drei Millionen Euro, das Bayerische Umweltministerium förderte die neue Technologie mit rund 2,3 Millionen Euro.

Nun stellten Forscher zudem fest, dass die Erreger von antibiotika-resistente Keimen in Bächen, Flüssen und Badeseen zu finden sind. Im Auftrag einer öffentlich rechtlichen Medienanstalt waren vom Robert Koch-Institut zuvor Sedimentproben von zwölf verschiedenen Orten in Niedersachsen im Labor getestet worden.

 

"Das ist wirklich alarmierend", sagt der Antibiotika-Experte Dr. Tim Eckmanns vom Robert-Koch-Institut zu den Funden. "Die Erreger sind anscheinend in der Umwelt angekommen und das in einem Ausmaß, das mich überrascht." Klar war zwar bislang, dass Antibiotika-resistente Erreger in der Umwelt zu finden sind und sich dort ausbreiten können. Wie stark Gewässer belastet sind, ist allerdings weitgehend unbekannt, da es bislang keine systematischen Kontrollen auf solche Erreger gibt.

 

Bei den gefundenen Keimen handelt es sich um multi-resistente gram-negative Bakterien (MRGN). Sie bereiten Ärzten zunehmend Sorge - mittlerweile deutlich mehr als die bekannten MRSA-Erreger. Denn sie können zu schwerwiegenden Erkrankungen führen, die schwer zu behandeln sind. Und die Zahl der Infektionen durch solche Erreger steigt. In Deutschland sterben Schätzungen zufolge mehrere tausend Menschen proJahr an Erkrankungen durch multiresistente Keime. Gefährdet sind insbesondere vorerkrankte, geschwächte Menschen, aber auch Ältere oder Neugeborene.

 

Bedenklich ist weiterhin, dass Mikroplastikteilchen ins Abwasser und von dort in die Gewässer und das Meer gelangen und auf dem Wege die Population im Meer und letztendlich auch die Gesundheit der Menschen als Endverbraucher von zum Beispiel Fisch gefährden. 

 

 


Petitum/Beschlussvorschlag:
Die Vorsitzende der Bezirksversammlung wird gebeten einen Vertreter der Gesundheitsbehörde und einen Vertreter von Hamburg Wasser einzuladen, der zu dem obigen Sachverhalt Stellung nimmt und insbesondere Maßnahmen aufzeigt, wie und mit welchen Maßnahmen den Resten von Medikamenten, den multiresistenten Keimen und Mikroplastikteilchen im Abwasser begegnet werden kann. Auch soll über Möglichkeiten und Perspektiven einer Verminderung von Mikrostoffen bereits an der Quelle, über Kosten und Kostenträger und über ökologische Probleme einer 4. Reinigungsstufe berichtet werden.