Bezirksversammlung Harburg

Drucksache - 20-3321  

 
 
Betreff: Antrag DIE LINKE betr.: Harburg für Alle! Insektensterben und seine Konsequenzen im Bezirk Harburg
Status:öffentlichDrucksache-Art:Antrag
Verfasser:DIE LINKE; Lohmann, Jörn; Lenthe, André; Baksi, Kadriye; Peters, Sven;
Aras, Sahbattin
Federführend:Interner Service   
Beratungsfolge:
Hauptausschuss
12.12.2017 
Sitzung des Hauptausschusses ungeändert beschlossen / überwiesen   
Bezirksversammlung Harburg
28.11.2017 
Sitzung der Bezirksversammlung Harburg vertagt / verbleibt   

Sachverhalt
Beschlussvorschlag

Sachverhalt:
 

Das Wissenschaftsjournal PLOS ONE sowie namhafte bundesweite Printmedien (u. a. Frankfurter Allgemeine Zeitung, Süddeutsche Zeitung oder DIE ZEIT) veröffentlichten am 18. Oktober 2017 die Ergebnisse der Langzeitstudie des Entomologischen Vereins Krefeld, der über 27 Jahre hinweg an 63 Orten in Naturschutzgebieten dreier Bundesländer die Fluginsektenpopulation per aufgestellter und ausgewerteter Fallen überwachte.

Diese Studie bestätigt erstmals offiziell den seit langem vermuteten und von vielen Expert*innen schon ausgemachten Insektenschwund in Deutschland. Das Ausmaß ist erschreckender, als vielfach befürchtet, demnach beträgt der messbare Rückgang seit Beginn der Zählungen durchschnittlich 76 Prozent.

Hauptverantwortlich für das Insektensterben ist nach überwiegender Ansicht der Wissenschaft wohl die moderne Landwirtschaft, insbesondere durch die exzessive Verwendung von Düngemitteln, die enorme Mengen an Stickstoffverbindungen in die Umwelt freisetzten, sowie von Pestiziden. 90 Prozent der im Rahmen der Studie untersuchten Naturschutzgebiete sind von intensiv agrarisch bewirtschafteten Flächen umgeben.

Mit dem massenhaften Insektensterben gehen selbstverständlich auch komplexe Folgegefährdungen für die betroffenen Ökosysteme als ganze einher. Diese betreffen zunächst zwangsläufig die unmittelbar auf die insektoide Biomasse angewiesene Fauna und Flora. Hier sind speziell die Populationen von Vogel-, Fledermaus- und Lurcharten, aber auch andere Insekten zu nennen, genauso wie sämtliche bestäubungsabhängigen Pflanzengattungen.

Von den langzeitigen und indirekten Folgen dieser dramatischen Tendenz nicht zuletzt für uns Menschen ganz zu schweigen.

Gerade für eine an schützenswerten Vegetations- und Tierbeständen reiche, als auch vom Obstbau sehr stark durchdrungene Region wie der Hamburger Süden, ist die transparente Betrachtung und Auswertung dieser beunruhigenden Entwicklung samt ihrer Auswirkungen in besonderem Maße geboten.

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Petitum/Beschlussvorschlag:

Die Bezirksversammlung möge beschließen:

Die Vorsitzende der Bezirksversammlung wird gebeten, möglichst zeitnah von der zuständigen Fachabteilung der Bezirksverwaltung Harburg, des zuständigen Fachbereichs der Behörde für Umwelt und Verbraucherschutz sowie der Umweltverbände BUND und NABU jeweils einen schriftlichen Bericht einzuholen, in dem

1.      über aktuelle Erkenntnisse und Untersuchungen zum Insektensterben im Bezirk Harburg und deren Entwicklung über die letzten 5 Jahre informiert wird. Besonderes Augenmerk soll dabei auf folgende Aspekte gelegt werden:

a.      Betroffene Arten

b.      Populationsabwächse 

c.      Bewiesene und vermutete Ursachen

d.      Ergriffene bzw. zu ergreifende Maßnahmen

e.      Beobachtete und vermutete negative Folgeentwicklungen für die zoologische Artendiversität speziell bei Vogel-, Fledermaus- und Lurchbeständen, samt Gegenstrategie

f.        Beobachtete und vermutete negative Folgeentwicklungen für die botanische Artendiversität samt Gegenstrategie

 

2.      die direkten und indirekten Entwicklungsperspektiven sowie Gefährdungsfolgeeffekte für das ökologische Gleichgewicht im Harburger Gesamtgebiet in mittelfristiger und langfristiger Betrachtung dargestellt wird.

3.      die dazu von Bezirk und Stadt vorgesehene sowie von den Naturschutzverbänden empfohlene Strategie notwendiger Gegenmaßnahmen auf mittelfristige und lange Sicht berichtet wird.

 


 

 

 

Stammbaum:
20-3321   Antrag DIE LINKE betr.: Harburg für Alle! Insektensterben und seine Konsequenzen im Bezirk Harburg   Interner Service   Antrag
20-3321.01   Stellungnahme zum Antrag DIE LINKE betr.: Harburg für Alle! Insektensterben und seine Konsequenzen im Bezirk Harburg   Interner Service   Antwort/Stellungnahme gem. § 27 BezVG
20-3321.02   Stellungnahme zum Antrag DIE LINKE betr.: Harburg für Alle! Insektensterben und seine Konsequenzen im Bezirk Harburg   Interner Service   Antwort/Stellungnahme gem. § 27 BezVG