Bezirksversammlung Harburg

Drucksache - 20-2810  

 
 
Betreff: Antrag NEUE LIBERALE: Weiterführung der U4 nach Harburg
Status:öffentlichDrucksache-Art:Antrag
Verfasser:Neue Liberale Fraktion Harburg; Wolkau, Kay; Wiest, Isabel; Lewy, Barbara
Federführend:Interner Service   
Beratungsfolge:
Bezirksversammlung Harburg
26.04.2017 
Sitzung der Bezirksversammlung Harburg abgelehnt   

Sachverhalt
Beschlussvorschlag

Die SPD hat noch in der vorletzten Wahlperiode einen Weiterbau der U4 bis zu den Elbbrücken abgelehnt (Drs. 19/8336).

In der Folgezeit hatte der Senat jedoch erkannt, dass eine Weiterführung der U4 bis zu den Elbbrücken für die Entwicklung der östlichen HafenCity unerlässlich ist und sich deshalb für den Weiterbau bis zu den Elbbrücken entschieden. Die neue U-Bahnstation „Elbbrücken“ soll bereits im Jahre 2018 fertiggestellt sein und künftig auch die bestehende Linie S3/S31 anbinden.    

Eine über die geplante Haltestelle Elbbrücken hinausgehende Streckenführung der Linie U4 war seitens des Senats jedoch zunächst nicht vorgesehen. (vgl. Drs. 20/8715)

Der Senat spricht in seiner Drucksache zum Thema „Langfristige Weiterentwicklung des U-Bahn-Netzes (Drs.20/3739) von zusätzlichen Strecken mit langfristig hohen Nachfragepotenzialen und erwähnt dabei eine Verlängerung der U4 bis Wilhelmsburg/Kirchdorf.

Mit einer Verlängerung der U4 über die in Bau befindliche Haltestelle Elbbrücken hinaus in Richtung Süden könnten perspektivisch die Quartiere Reiherstiegviertel und Wilhelmsburg Mitte sowie die Großwohnsiedlung Kirchdorf Süd an das U-Bahn-Netz angebunden und insbesondere die Busverkehrsleistungen der MetroBus-Linie 13 ersetzt werden, so der Senat.

Es sei jedoch absehbar, dass für eine positive Nutzen-Kosten-Relation eines derartigen Projekts erhebliche städtebauliche Nachverdichtungen durch Wohnungsneubau im Bereich der Elbinsel und des Kleinen Grasbrooks erforderlich wären.

Lediglich für den Fall einer erfolgreichen Bewerbung um künftige Olympische Sommerspiele sah der Senat eine deutlich zügigere städtebauliche Entwicklung des Kleinen Grasbrooks und damit auch  eine Verlängerung der U4 Richtung Süden als realisierbar an.  

Nach dem Olympia-Aus für Hamburg sind seitens des Senats keinerlei Initiativen erkennbar, die auf eine Verlängerung der U4 Richtung Hamburger Süden zielen.  

Der Senat hat bisher auch keine Anstrengungen unternommen, über vereinzelt vorhandene Untersuchungen hinaus, (vgl. Drucksache 20/8715) systematisch und umfassend mögliche Trassenführungen der U4 nach Süden zu untersuchen.

Es sprechen gleichwohl etliche Argumente dafür, zügig einen Weiterbau der U4 Richtung Hamburger Süden in Angriff zu nehmen.

So hat bereits vor 2 Jahren ein Vorschlag des Politikwissenschaftlers Michael Rothschuh aus Wilhelmsburg öffentliche Aufmerksamkeit erlangt. Er schlugt vor, die U4 als Stadtbahn oberirdisch auf der jetzigen Trasse der Wilhelmsburger Reichsstraße entlang zu führen, wenn die Bundesstraße voraussichtlich 2019 verlegt wird. U-Bahnzüge könnten mit einem zweiten Stromabnehmer ausgestattetet werden, damit sie ebenerdig auf einer eigenen Fahrspur auf der Straße und unterirdisch im Tunnel fahren können, so der Vorschlag. Tatsächlich existieren derartige Verkehrssysteme bereits, etwa in Hannover.

Eine U-Bahn als Stadtbahn zu planen - so wie bereits 2014 auch die Handelskammer Hamburg ins Gespräch gebracht hat- würde deutlich kostengünstiger sein als sie mit viel Aufwand tief unter der Erde zu bauen.

Die Interessenkonflikte, die in vielen dichter besiedelten Gegenden der Stadt mit einer überirdischen Streckenführung verbunden wären, würden bei einer Streckenführung auf der dann verlegten Wilhelmsburger Reichsstraße weitgehend entfallen.

Das Senatskonzept "Hamburgs Sprung über die Elbe - Zukunftsbild 2013+" lässt zudem offen, wie der öffentlichen Personennahverkehr die erwarteten zusätzlichen Menschen in den zahlreichen neuen Wohnungen in Wilhelmsburg aufnehmen soll, ganz zu schweigen von den zahlreichen und umfangreichen Bauvorhaben im Bezirk Harburg.

 

Allein in Wilhelmsburg sind ausgedehnte neue Wohngebiete im Bereich der durch die Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße frei gewordenen Flächen vorgesehen. Die Rede ist von bis zu 5.000 Wohnungen mit circa 10.000 bis 15.000 neuen Bewohnern. Die gesamte Einwohnerzahl von Wilhelmsburg steigt damit auf weit über 60.000.

 

Die positive Entwicklung und der weitere deutliche Bevölkerungszuwachs in Wilhelmsburg und Harburg sowie die lange bestehenden Kapazitätsengpässe der S-Bahn machen eine weitere Schienenverbindung in den Hamburger Süden dringend erforderlich.

 

In Anbetracht der bereits dauerhaft vorhandenen Überlastung der S-Bahnstrecke nach Harburg und der weiterhin stetig steigenden Fahrgastzahlen der S31 und S3 ist der Bedarf für eine U4 offensichtlich. Denn täglich fast 130.000 Pendler/innen nutzen bereits heute die Strecke in Richtung Hauptbahnhof an Werktagen.

Zudem muss es stets verkehrspolitisches Ziel sein, dem so genannten Bedarf für den ÖPNV einen Schritt voraus zu sein, statt dem Bedarf hinterher zu hinken. Denn attraktive Angebote bringen oft eine erhöhte Nachfrage mit sich. Vor diesem Hintergrund ist zügiges Handeln mehr als dringend geboten.


Die Bezirksversammlung möge beschließen:

Die Vorsitzende der Bezirksversammlung wird aufgefordert, sich beim Hamburger Senat und den zuständigen Fachbehörden dafür einzusetzen, dass eine umfassende Machbarkeitsstudie zur möglichen Verlängerung der U4 nach Harburg veranlasst wird. Die Studie soll mehrere denkbare Varianten des Streckenverlaufs und der Streckenführung einbeziehen und insbesondere den Vorschlag, eine U4 teilweise auch überirdisch auf der jetzigen Wilhelmsburger Reichstraße zu führen, berücksichtigen.

Über das Ergebnis der Bemühungen und den Fortschritt in der Angelegenheit soll dem Verkehrsausschuss schriftlich berichtet werden.

Antrag der Abgeordneten Kay Wolkau, Isabel Wiest, Barbara Lewy

Harburg, 06.04.2017

Kay Wolkau

Fraktionsvorsitzender

f. d. R.