Bezirksversammlung Harburg

Drucksache - 20-1893  

 
 
Betreff: Anfrage Neue Liberale betr. Krankenhausstrukturen und geburtshilfliche Versorgung im Bezirk Harburg
Status:öffentlichDrucksache-Art:Anfrage gem. § 27 BezVG
Verfasser:Neue Liberale Fraktion Harburg; Wolkau, Kay; Wiest, Isabel; Lewy, Barbara
Federführend:Interner Service   
Beratungsfolge:

Sachverhalt

Presseberichten der letzten Wochen war zu entnehmen, dass eine Umorganisation der Harburger Krankenhäuser bevorsteht. So soll für Hamburgs Süden künftig geburtshilfliche Versorgung, Gynäkologie und Kinderheilkunde nur noch bei der Helios Mariahilf Klinik angeboten werden während die chirurgische und internistische Not- und Unfallversorgung ausschließlich von der Asklepios Klinik Harburg übernommen werden soll. 

 

Laut Gesundheitssenatorin werde eine noch bessere Versorgung für die Patientinnen und Patienten erreicht, weil die jeweils vorhandenen Stärken der Kliniken ausgebaut würden.  Die Krankenhäuser könnten sich damit noch mehr auf das konzentrieren, was sie am besten können. Perspektivisch bestehe durch die neue Struktur für die Helios Mariahilf Klinik Hamburg auch die Möglichkeit in der Geburtshilfe eine höhere Versorgungsstufe, das so genannte „Level 1“ zur Versorgung von Früh- und Neugeborenen zu erreichen.

 

Damit werde für Schwangere aus dem Hamburger Süden die Versorgung deutlich verbessert. Die Not- und Unfallversorgung profitiere durch die geplante Konzentration im Asklepios Klinikum Harburg von den im Krankenhaus verbleibenden neun Betten führenden Fachabteilungen.

 

Öffentliche Kritik an dieser Konzentration gibt es vor allem im Hinblick auf die Verlagerung der Geburtshilfe an die Helios Klinik Mariahilf.

 

So werde einerseits das Recht auf freie Wahl des Geburtsortes faktisch eingeschränkt.  Zum anderen falle durch die Umstrukturierung ein kleines, ruhiges Geburtszentrum mit sehr guter Betreuung und dem Angebot eines hebammengeleiteten Kreißsaals weg, den es in Hamburg so nur in der Asklepios Klinik Harburg gebe. Die Versorgung für „normale“ Geburten werde künftig keineswegs verbessert sondern verschlechtert. Für eine normal verlaufende Geburt sei eine gute Betreuung wichtig und weniger das modernste medizinische Gerät.

 

Zwar werde im Falle von Risikoschwangerschaften, Geburten und Frühchen die Versorgung

durch die Umstrukturierung ggf. verbessert werden können, jedoch dürfe das bisherige  Angebot der Asklepios Klinik Harburg, dass für die große Mehrheit der schwangeren Frauen die   attraktivere Versorgung darstelle, nicht einfach wegfallen.   

 

Erst kürzlich wurde am AKH im Beisein der Gesundheitssenatorin der Grundstein für ein neues Gebäude gelegt, in das auch die Geburtshilfe einziehen sollte.

 

Die bisherigen Planungen jedenfalls sahen - soweit ersichtlich - eine solche Konzentration von Krankenhausversorgung nicht vor. Der Krankenhausplan 2020 geht sowohl für die Asklepios Klinik Harburg als auch die Helios Klinik Mariahilf von einer geburtshilflichen Abteilung aus.

 

Der Krankenhausplan 2020 - so heißt es dort im Vorwort - gebe einen konkreten Rahmen vor. Die Behörde werde den für die stationäre Versorgung notwendigen Bedarf laufend beobachten und die Planung gegebenenfalls anpassen. Die Anpassungen sollen gemäß Vorwort zum Plan jedoch frühestens im Jahre 2017 auf Basis der Daten des Jahres 2016 erfolgen. Erst dann würde eine Zwischenfortschreibung durchgeführt.

 

Umso überraschender ist es, dass aktuellster Presseberichterstattung zufolge nun die Geburtshilfestation der Asklepios Klinik Harburg bereits zur Jahreswende 2016/2017 schließt, weil etliche Mitarbeiter vor dem Hintergrund der geplanten Umstrukturierungen im Jahre 2017 bereits frühzeitig gekündigt hätten und aus diesem Grunde der Betreib dort über den 31.12.2016 hinaus nicht mehr aufrecht erhalten werden könne.

 

Innerhalb kürzester Zeit sind damit bereits Fakten geschaffen, die eine weitere öffentliche Diskussion erschweren. 

 

Vor diesem Hintergrund fragen wir die zuständige Fachbehörde:

 

  1. Seit wann gibt es seitens der zuständigen Behörde und der beteiligten Kliniken Asklepios und Helios entsprechende Planungen, die geburtshilfliche Versorgung im Hamburger Süden auf die Helios Klinik Mariahilf zu konzentrieren?  (Bitte möglichst genaue zeitliche Abfolge der Planungen und Abstimmungsprozesse darlegen)
  2. Welche Rolle hat die Fachbehörde bei diesen Überlegungen/Planungen gespielt? Ging die Initiative von den jeweiligen Kliniken aus oder von der zuständigen Fachbehörde? 
  3. Aus welchen Gründen unterstützt oder ggf. betreibt die Gesundheitsbehörde die Umstrukturierung und ausschließliche Verlagerung der Krankenhausversorgung im Hamburger Süden im Bereich der Geburtshilfe auf die Helios Klinik Mariahilf?
  4. Inwieweit hat die zuständige Behörde bei ihren Überlegungen und Planungen berücksichtigt, dass gerade im Falle der geburtshilflichen Versorgung für die große Mehrheit der Geburten nicht die Intensivmedizin sondern gerade auch die fachgerechte Betreuung durch Hebammen eine entscheidende Rolle spielt? 
  5. Wie bewertet die zuständige Behörde die Einwände zahlreicher Bürgerinnen und Bürger im Bezirk Harburg, dass gerade im Bereich der geburtshilflichen Versorgung  eine gewisse Angebotsvielfalt dringend geboten sei und aus diesem Grunde die Asklepios Klinik weiterhin eine entsprechende Geburtshilfeabteilung vorhalten solle?
  6. Wie bewertet die zuständige Behörde die eingeschränkte Angebotsvielfalt in der geburtshilflichen Versorgung vor dem Hintergrund einer gerade im Süderelberaum zu erwartenden wachsenden Bevölkerung infolge größerer Wohnungsbauvorhaben? 
  7. Gibt es bereits jetzt eine veränderte Krankenhausplanung bzw. Zwischen- fortschreibung des Krankenhausplans 2020? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?
  8. Wieso gibt es (ggf. gleichwohl) bereits jetzt derart einschneidende strukturelle Entscheidungen bei der Krankenhausversorgung, ohne - wie im Krankenhausplan vorgesehen - die Datenbasis des Jahres 2016 abzuwarten?
  9. Wie soll in Anbetracht der offenbar äußerst kurzfristigen Schließung der geburtshilflichen Abteilung an der Asklepios Klinik Harburg eine bedarfsgerechte Versorgung von Schwangeren ab Januar 2017 im Hamburger Süden sichergestellt werden? Sieht die zuständige Behörde Möglichkeiten, die dortige Geburtshilfe auch über die Jahreswende 2016/2017 hinaus aufrecht zu erhalten? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum, nicht?

 

 

Harburg, 08.11.2016

Kay Wolkau

Fraktionsvorsitzender

f. d. R.