Bezirksversammlung Harburg

Drucksache - 20-1560  

 
 
Betreff: Antrag Neue Liberale betr. Demografische Entwicklung - wird Hamburg den Herausforderungen im Bezirk Harburg gerecht?
Status:öffentlichDrucksache-Art:Antrag
Verfasser:Neue Liberale
Federführend:Interner Service   
Beratungsfolge:
Hauptausschuss
17.05.2016 
Sitzung des Hauptausschusses ungeändert beschlossen / überwiesen   
Ausschuss für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz
18.04.2017 
Sitzung des Ausschusses für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz zurückgezogen / erledigt   

Sachverhalt
Beschlussvorschlag

Sachverhalt:

2050 werden knapp 30 % der Deutschen über 65 Jahre alt sein. Die Gruppe der hochbetagten wird weiter wachsen und damit der Bedarf an Unterstützung und Pflege steigen. Nicht nur die soziale Isolation von Senioren sondern auch von Familien, bei denen heutzutage ein hoher Prozentsatz alleinerziehend ist, macht ein Weiterdenken nötig.

 

2013 gab es über 2,63 Mio. Pflegebedürftige. Jenseits des 80. Lebensjahrs nimmt das Pflegerisiko dramatisch zu. Selbst wenn es durch medizinische Fortschritte halbiert werden könnte, müssen wir davon ausgehen, dass es 2028 um die 5 Mio. Pflegebedürftige in Deutschland geben wird.

 

2013 gab es 13.030 Pflegeheime mit 902.882 Plätzen. Die veränderten Lebensumstände führen dazu, dass der Anteil von Menschen, die von der Familie gepflegt werden immer weiter sinkt. 2008 waren es noch 80%, die zu Hause versorgt wurden. 2011 wurden nur noch 71 % oder 1,86 Millionen aller Pflegebedürftigen zu Hause versorgt. (Quellen: Statistischen Bundesamt)

 

2014 wurde vom Senat in Zusammenarbeit mit den Fachbehörden ein Demografie-Konzept „Hamburg 2030:Mehr.Älter.Vielfältiger.“herausgegeben. In der Pressemitteilung zu Veröffentlichung wurde verlautbart:

 

Es berücksichtigt Bevölkerungsentwicklungen bis 2030 und es werden Ziele sowie Handlungsbedarfe und -ansätze definiert. Gleichzeitig behält das Konzept im Blick, dass die Stadt nicht in getrennte Quartiere unterschiedlicher Altersgruppen, Herkunftskulturen und Lebenschancen auseinanderfällt, sondern die Menschen zusammenführt. Es soll, unter anderem auf der Grundlage neuer Bevölkerungsvorausberechnungen, fortgeschrieben werden.“

(…..)

Hamburg will das Hilfeangebot in der Pflege so umsteuern, dass vorrangig quartiersbezogene Strukturen, die nachbarschaftliches Engagement ermutigen und fachpflegerische Versorgung ergänzen, verwirklicht werden. Die jetzt vorhandenen Heimplätze sind nach heutigen Erkenntnissen für die nächsten Jahre ausreichend. Um die Bedürfnisse nach dem Wohnen im vertrauten Umfeld trotz Pflegebedürftigkeit zu befriedigen und zukunftsfähige Ansätze zu entwickeln, werden neue Wohn- und Versorgungskonzepte, zum Beispiel mit ambulanten und stationären Wohngemeinschaften, gezielt unterstützt. Die entsprechenden Anforderungen - insbesondere Barrierefreiheit, Gemeinschaftsräume, integrierte Großwohnungen für Wohngruppen, Mix unterschiedlicher Wohnungsgrößen, Gewerbeume für ambulante Dienste - werden systematisch in die Wettbewerbs- und Ausschreibungsunterlagen von städtebaulichen Neuplanungen von Wohngebieten integriert.“

 

2011 waren von 152.607 Einwohnern in Harburg 38.034 über 60 Jahre. Dies entspricht einem Anteil von 24,9 % der Bevölkerung.

 

Der  Bericht „Älter werden in Hamburg“ von Mai 2012 prognostiziert:

Darüber hinaus zeigt sich eine Konzentration der älteren Stadtbewohnerinnen und Stadtbewohner in Gebieten am Stadtrand, die fast ausschließlich durch die Wohnnutzung geprägt ist. Nach Auszug der erwachsenen Kinder wohnt die Elterngeneration noch immer in den häufig in Reihenbauweise entstandenen Wohngebieten am Stadtrand. Jüngere Familien ziehen nur selten in diese Wohngebiete. Für die nahe Zukunft muss mit einer weiteren Konzentration älterer Bewohnerinnen und Bewohner in diesen Wohngebieten gerechnet werden. Dagegen führt die große Nachfrage nach Wohnraum in den innerstädtischen Quartieren zu deutlichen Mietsteigerungen für diese Wohnlagen. Die ältere und ressourcenärmere Bevölkerung ist zunehmend am Stadtrand repräsentiert.“

 

Im Bezirk Harburg sind es vor allem auch die Stadtteile Marmstorf, Eißendorf, Hausbruch und Neugraben-Fischbek, wo der Anteil an älteren Menschen bereits heute besonders hoch ist.

 


Petitum/Beschluss:

 

Die Bezirksversammlung möge beschießen:

 

Der Vorsitzende der Bezirksversammlung wird gebeten, kompetente Vertreter der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz in den zuständigen Fachausschuss einzuladen, damit diese darüber berichten, was seitens der Senatsbehörde(n) bisher unternommen wurde, um die im Demografie-Konzept  „Hamburg 2030: Mehr. Älter. Vielfältiger.“ definierten Ziele tatsächlich zu erreichen. Der Bericht soll auch darauf eingehen, wie die zuständige Behörde durch „quartiersbezogene Strukturen neue Wohn- und Versorgungskonzepte, zum Beispiel mit ambulanten und stationären Wohngemeinschaften, gezielt unterstützen oder neu schaffen will.

 

Antrag der Abgeordneten Barbara Lewy, Isabel Wiest, Kay Wolkau

 

Harburg, 12.05.2016

Kay Wolkau

Fraktionsvorsitzender

f. d. R.