Bezirksversammlung Harburg

Drucksache - 20-0165  

 
 
Betreff: Antrag Grüne betr. Urban gardening im Bezirk Harburg
Status:öffentlichDrucksache-Art:Antrag
Verfasser:GRÜNE-Fraktion
Federführend:D 4 - Dezernat Wirtschaft, Bauen und Umwelt   
Beratungsfolge:
Hauptausschuss
14.10.2014 
zur gemeinsamen Sitzung des Hauptausschusses und des Ausschusses für Kultur, Sport und Freizeit (zu TOP 1) (offen)   
Ausschuss für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz
18.11.2014 
Sitzung des Ausschusses für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz (offen)   
19.05.2015 
Sitzung des Ausschusses für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz (offen)   
16.06.2015 
Sitzung des Ausschusses für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz (offen)   
23.01.2018 
Sitzung des Ausschusses für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz zurückgezogen / erledigt   

Sachverhalt
Beschlussvorschlag

Sachverhalt:

Das Projekt „Hamburger Grünpaten“, vor fast 10 Jahren von der Umweltbehörde und der Handelskammer ins Leben gerufen, ist „mangels Beteiligung“ im September 2014 eingestellt worden. Hiermit findet bürgerschaftliches Engagement zur Pflege öffentlicher Flächen von Privatpersonen und Firmen ein vorläufiges Ende. Dieses ist sicher nicht nur auf mangelndes Interesse in der Bevölkerung zurückzuführen, sondern  hat auch Ursachen in unzureichender Bewerbung und Unterstützung auch in den Bezirken.

Man kann nur das schätzen und schützen, was man kennt. Unter dieser Devise wollen wir im Bezirk Harburg ein Modellprojekt zum Urban Gardening anstoßen und realisieren. Dieses Thema war übrigens auch ein im Harburger Zukunftsdialog diskutiertes Thema, das nur sehr knapp den Einzug in die Endrunde der Themen verpasste.

Urban Gardening oder „gemeinschaftliches Gärtnern“ erfreut sich in den Großstädten weltweit wachsender Beliebtheit. Was einst in New York seinen Anfang nahm, hat sich auch in vielen anderen Städte bereits etabliert. Menschen kommen zusammen und bestellen Beete, zupfen Unkraut, ernten und verspeisen zu guter Letzt auch das gemeinsam Kultivierte. Dabei zeigt sich, dass diese Form des Beisammenseins über sämtliche kulturellen und sozialen Grenzen hinweg verbindet. In Urban-Gardening-Projekten arbeiten Menschen unterschiedlicher Herkunft, Einkommenslage, Familiensituation und Alters zusammen. Gerade in der Anonymität der Großstadt entwickeln sich Urban-Gardening-Projekte zu Inseln für Zusammenhalt und Gemeinwesen.

Neben dieser sozialen Funktion hat Urban Gardening auch den wichtigen Effekt, dass das klassische „Gärtnern“ den damit verbundenen Kreislauf der Natur und die verantwortungsvolle Pflege von Pflanzen ins Bewusstsein rückt und dass dadurch Umwelt und  Lebensmitteln ein neuer Stellenwert beigemessen wird. Insbesondere Kinder, die in der Stadt häufig von der Entstehung ihres Essens nichts mitbekommen, profitieren von diesen Zusammenschlüssen des urbanen Gärtnerns in besonderem Maße.

Der Bezirk Harburg kann solche Initiativen unterstützen, indem er Rahmen- und Gelingensbedingungen für Urban Gardening schafft und offensiv kommuniziert. Dieses sind die vier Hauptaspekte zum Gelingen derartiger Projekte:

  1. Know how schaffen: Urbane Gärtner sind in der Regel Anfänger ohne gärtnerische Vorkenntnisse. Für den Erfolg ihrer Projekte brauchen sie  jedoch Garten-Know-how. Gefordert sind hier Informationen und  Kurse mit gärtnerischen Grundlagen und organisatorischen und juristischen Informationen und im besten Fall die Anlage von Modellgärten im Bezirk.

 

  1. Geeignetes Land ausweisen: Die Gartengründung beginnt in der Regel mit der Suche nach einem Grundstück und den Verhandlungen um die Erlaubnis zu dessen Nutzung. Es geht hier um die Ermittlung und Bekanntmachung von Flächenpotenzialen, die sich für Urban-Gardening Projekte sowohl für Zier- als auch Nutzpflanzen eignen.
  2. Kommunikation und Werbung: Das Werben für urbane Landwirtschaft führt nicht nur Menschen zum urbanen Gärtnern, das Verbreiten der Nachricht von gelungenen Projekten erleichtert und befördert auch die Einrichtung von neuen Gärten. Hierzu ist es nötig, geeignete Informations- und Kommunikationsstrukturen wie Flyer, Internetplattform und begleitende Veranstaltungen zu schaffen. Laut  Presseauskunft der Umweltbehörde soll ab 2015 ein  ganzheitliches Grünpflegeangebot  für Bürger_innen  und Firmen auf hamburg.de  zu finden sein, das auch einen direkten Kontakt zu den Bezirken vermittelt. Hier wäre eine Einbindung des Urban Gardening Projektes sinnvoll.
  3. Mittel: Jedes Projekt  braucht logistische Unterstützung und steht früher oder später vor größeren und kleineren Anschaffungen – vor denen auch Kreativität und Recycling nicht mehr schützen. Um ein Scheitern zu verhindern, ist ein kleines Mindestbudget für die Startphase zu kalkulieren und zur Verfügung zu stellen und möglichst die Beteiligung von Sponsoren anzuregen.

 


Petitum/Beschluss:

Die Bezirksversammlung möge beschließen:

Der Bezirksamtsleiter wird gebeten, das zuständige Fachamt zu beauftragen, ein Rahmenkonzept  für ein Modellprojekt Urban Gardening im Bezirk Harburg zu erstellen und zur Diskussion im Ausschuss GUV  vorzustellen. Das Konzept sollte die vier genannten Gelingensbedingungen berücksichtigen.

 

Antrag des Abgeordneten Jürgen Marek, Isabel Wiest und GRÜNE-Fraktion

 

Harburg, 09.10.2014

 

Britta Herrmann

GRÜNE-Fraktionsvorsitzende