Bezirksversammlung Harburg

Auszug - Kirchturm St. Johannes - Bericht des Denkmalschutzamtes  

 
 
Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses
TOP: Ö 3
Gremium: Stadtentwicklungsausschuss Beschlussart: zur Kenntnis genommen
Datum: Mo, 07.09.2020 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 18:00 - 20:00 Anlass: Sitzung
Raum: Feuervogel - Bürgerzentrum Phoenix, Aula
Ort: Aula
Zusatz: Aufgrund der aktuellen Pandemie-Lage wird um Beachtung der geltenden Abstands- und Hygieneregeln gebeten. Danach kann nur ein begrenzter Einlass von Besucherinnen und Besuchern ermöglicht werden.
21-0794 Kirchturm St. Johannes - Bericht des Denkmalschutzamtes
   
 
Status:öffentlichDrucksache-Art:Mitteilungsvorlage öffentlich
Federführend:Fachamt Stadt- und Landschaftsplanung   
 
Protokoll
Beschluss

Die Leiterin des Denkmalamtes berichtet über die problematische Situation des Kirchturmes St. Johannis:

 

Bei dem o. a. Kirchturm stünde eine große Instandsetzungsmaßnahme an. In früherer Zeit sei der Turm bereits mit Auftragen eines Spritzbetons saniert worden. Dieser Beton sei heute an der markanten Fassade als auch im Inneren offensichtlich schadhaft. Weitere Schäden seien an der Verglasung und der Kupfereindeckung festgestellt worden. Daher stelle der Turm eine Gefahr dar. 2018 beliefen sich die geschätzten Sanierungskosten des Turm auf 580.000 €, von denen das Denkmalamt unter Beteiligung der Deputation 70.000 € übernehmen wollte. Inzwischen gebe es eine aktualisierte Kostenberechnung, die von mehr als einer Millionen Euro ausgehe und das Denkmalamt habe das neueste Gutachten fachlich und inhaltlich zur Kenntnis genommen. Die Kosten müssten jedoch noch verifiziert werden, da sie aus Sicht des Denkmalamtes sehr hoch angesetzt worden seien. Gleichwohl sei es eine große Herausforderung den Kirchturm zu erhalten. Das Denkmalamt stelle sich die Frage, wie in Zukunft in Harburg und Hamburg insgesamt mit diesen Kirchtürmen der Nachkriegszeit verfahren werden sollte. Es sei eine gesellschaftspolitische Anforderung die Kirchen mit dieser Situation nicht alleine zu lassen.

 

 

Der für Bau und Sicherheit zuständige Vertreter des Kirchenkreises Ost teilt mit, dass der Abriss des Turmes St. Johannes bereits genehmigt sei und erläutert die Gründe, die dazu geführt tten:

 

Nach Vorlage eines Bestandsgutachtens sei mit der Sanierung des gesamten Ensembles begonnen worden. Da sich im Verlauf der Sanierung der Umfang der Schäden als viel höher erwiesen habe, als das ursprüngliche Gutachten seinerzeit belegt habe, sei ein Baustopp verfügt worden. Unter anderem auch, da aufgrund hoher Windlasten statische Probleme aufgetreten seien. Eine daraufhin angeforderte staatlich anerkannte und vereidigte Sachverständige für Betonbau habe die Kosten für die Sanierung des Kirchturmes auf 1,25 Mio. € geschätzt. Hinzu kämen noch die Kosten für die Sanierung der Verglasung, des Turmes, der Glockenstube, etc. Damit müssten insgesamt 1,4 Mio. € veranschlagt werden. Diese Summe sei für den Kirchenkreis nicht zu finanzieren und stehe in keinem Verhältnis, da die Oberflächenbeschichtung der Betonteile aufgrund von Witterungseinflüssen alle 10 15 Jahre erneuert werden müsste. Dies gelte generell für alle Stahlbetonbauten der Nachkriegszeit, da der Schutz des Stahls zerstört sei und nicht wieder aufgebaut werden könne.

 

Die Vertreterin des Denkmalamtes bestätigt, dass die Kosten der Sanierung und die der dauerhaften Erhaltungsarbeiten in den nächsten Jahrzehnten hoch seien. Trotz allem habe sie die Abrissgenehmigung überrascht und bedauert die Entscheidung.

 

Herr Lied teilt mit, dass den Kirchen eine eigene denkmalrechtliche Zuständigkeit für die Kirchenbauwerke zukomme. Die Kirchen besprächen sich zwar mit dem Denkmalamt, das allerdings Entscheidungen über kirchliche Immobilien nicht verhindernnne. Dies gelte ebenfalls für das Bezirksamt, das zuständigkeitshalber nicht das Denkmal beurteilen rfe und einem rechtmäßigen Abrissantrag stattgebensse.

 

Die Vertreterin des Denkmalamtes geht auf die denkmalpflegerische Sichtweise ein und stellt die Frage, ob eine Kirche ohne Turm noch eine denkmalwürdige Kirche sei und damit in Stand zu halten ist. Bedenkenswert sei auch die glichkeit eines Kirchturmneubaus. Damit habe sich das Denkmalamt jedoch noch nicht beschäftigt, da es in erster Linie wichtig sei, den Bestand zu schützen und zu bewahren.

 

Fragen der Ausschussmitglieder werden wie folgt beantwortet:

 

  • Der Abriss des Turms müsse in Bezug auf die Verkehrssicherung geplant werden. Über die Möglichkeiten eines Neubaus berate sich zurzeit der Kirchengemeinderat. Es gebe diverse Kriterien, die zu beachten seien. Eine Entscheidung sei noch nicht gefällt worden. Es würden Überlegungen angestellt, wer die Kosten mittragen könnte. Die Kirchengemeinde St. Johannis habe die Mittel für diesen Turmneubau nicht.
  • Es gebe für die Kirchen einen Kirchennetzplan, der vom Kirchenkreis mit der Fragestellung erstellt worden sei, welche Kirchen förderfähig und welche nicht förderfähig seien. Aus Sicht der Kirche könnten 1/3 der Hamburger Kirchen abgebaut werden, um die Institution Kirche zahlungsfähig zu halten. Dieser Standort sei als dauerhaft eingestuft worden, da er näher am Zentrum läge als die Dreifaltigkeitskirche. Die Dreifaltigkeitskirche solle veräert werden.
  • Um auf Krieg oder gewaltsames Einwirken aufmerksam zu machen, habe eine Ruine eine enorme Symbolkraft. In diesem Falle gehe es jedoch darum, dass die vorhandene Kirche weiterhin kirchlich genutzt werden solle, daher sei aus Sicht des Denkmalamtes ein Kirchturm mit großer Strahlkraft wünschenswert. Insofern sei der Erhalt eines Fragments des Kirchturms nicht denkbar.

Der Ausschuss nimmt Kenntnis.