Bezirksversammlung Harburg

Auszug - Bilanzierung des Gebietes Binnenhafen im Rahmenprogramm Integrierte Stadtteilentwicklung (RISE)  

 
 
Sitzung des Stadtplanungsausschusses
TOP: Ö 3
Gremium: Stadtplanungsausschuss Beschlussart: zur Kenntnis genommen
Datum: Mo, 08.01.2018 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 18:00 - 20:10 Anlass: Sitzung
Raum: Großer Sitzungssaal
Ort: Harburger Rathausplatz 1, 21073 Hamburg
20-3394 Bilanzierung des Gebietes Binnenhafen im Rahmenprogramm Integrierte Stadtteilentwicklung (RISE)
   
 
Status:öffentlichDrucksache-Art:Mitteilungsvorlage öffentlich
Federführend:D 4 - Dezernat Wirtschaft, Bauen und Umwelt   
 
Protokoll
Beschluss

Frau Dirks stellt ausführlich mit einer Präsentation die Bilanzierung des Gebietes Binnenhafen im Rahmenprogramm Integrierte Stadtteilentwicklung wie folgt vor:

 

Das Fördergebiet umfasse den südlichen Bereich des Harburger Binnenhafens und habe eine Gesamtfläche von 14,3 ha. 2009 sei das Gebiet als Fördergebiet der Integrierten Stadtteilentwicklung im Programm Städtebaulicher Denkmalschutz angemeldet worden. Voraussetzung für dieses Programm sei die Verordnung über die Erhaltung baulicher Anlagen in Harburg (Harburger Binnenhafen) vom 06.07.1993 nach § 172 Baugesetzbuch (BauGB). Das Rahmenkonzept Harburger Binnenhafen von 2006 habe als Grundlage für das städtebauliche Entwicklungskonzept dieses Förderprogramms gedient. Die Gebietslaufzeit hätte am 31.12.2017 enden sollen. Aufgrund weiteren Handlungsbedarfs sei mit der Behörde r Stadtentwicklung und Wohnen (BSW) eine Verlängerung der Gebietslaufzeit bis Ende 2020 abgestimmt und am 18.12.2017 vom Leitungsausschuss Programmsteuerung (LAP) beschlossen worden.

 

Die wesentlichen Gebietsziele im Fördergebiet seien:

 

  • Im Rahmen der Entwicklung hin zu einem lebendigen gemischt genutzten Quartier, solle der Charakter als ehemaliges Hafengebiet insgesamt erhalten bleiben.
  • Die denkmalwerte Bausubstanz solle weitgehend gesichert und erhalten werden.
  • Die Spuren des historisch geprägten Stadtbereiches sollten lesbarer und erlebbarer werden.

 

Aus dem Pool der RISE seien Handlungsfelder im Entwicklungskonzept aufgeführt worden, die für die Erreichung der gebietsbezogenen Leitziele eine große Rolle spielten:

 

  • Umwelt und Verkehr
  • Städtebauliche Strukturen
  • Kultur im Stadtteil
  • Image

 

Neben den eigentlichen Förderprojekten hätten vielfältige Maßnahmen und Projekte einen wesentlichen Anteil an der Erreichung der genannten Ziele. Insbesondere der Wohnungsbau habe zur Zielerreichung beigetragen. Hierbei sei die IBA wichtiger Impulsgeber gewesen. Während des Gebietsentwicklungsprozesses seien allein im Fördergebiet 262 Wohnungen realisiert worden, davon 140 öffentlich gefördert. 152 Wohnungen seien im Bau.

 

Aber auch Festsetzungen in den jeweiligen Bebauungsplänen seien wichtige Voraussetzungen zur Zielerreichung gewesen. Diese führten zum Beispiel zum Schutz von Denkmälern und Ensembles und zur Realisierung eines umfassenden Wegenetzes entlang der Gewässerufer im gesamten Binnenhafen. Auch viele Projekte im direkten Umfeld wirkten positiv auf die Entwicklung des Fördergebietes, wie insbesondere die neuen hochwertigen Freiflächen, Kanalplatz, Lotsekai, Lotseplatz, der Gebrüder Cohen Park und die Zitadellenbrücke. Allesamt IBA Projekte. Darüber hinaus hätten Engagement und Arbeit der Vereine Kulturwerkstatt, Geschichtswerkstatt und Museumshafen einen erheblichen Beitrag zur Erreichung der Leitziele beigetragen. Das Bezirksamt sei hierbei stets unterstützend beteiligt gewesen.

 

Im Folgenden werden die Förderprojekte genannt, die für die Zielerreichung relevant waren:

 

Die denkmalgeschützte Brücke Östlicher Bahnhofskanal

Dieses Bauwerk präge die Gebietskulisse des gesamten Binnenhafens. Sie sei mit Hilfe der RISE Kofinanzierung denkmalgerecht saniert worden. Damit habe das äere Erscheinungsbild erhalten werden können. Allerdings habe nach einer Kosten-Abwägung die Wiederherstellung der Klappfunktion aufgegeben werden müssen.

 

Brücke Westlicher Bahnhofskanal

Die Sanierung habe im Rahmen der Gebietslaufzeit nicht umgesetzt werden können. Ihre Sanierung sei zwingend und die vorbereitenden Prüfungen für diese Maßnahme liefen bereits. Die RISE-Konfinanzierung werden angestrebt. Deshalb werde auch geprüft, ob die Realisierung bis zum Ende der verlängerten Gebietslaufzeit 2020 abgeschlossen werden könne.

 

Denkmalgeschütztes Ensemble der historischen Kontorhäuser am Kanalplatz 6

Dieses Ensemble sei instandgesetzt worden. Die Gebäude bildeten das Zentrum des neu gestalteten Kanalplatzes und prägten das städtebauliche Gesamtbild. Durch die neue kulturelle Nutzung stünden die Räume für interessierte Besucher offen.

 

Der Mulch Kran

Der Mulch Kran sei nach Übernahme durch die Kulturwerkstatt Harburg restauriert und mit Elektroanschluss und Bühnentechnik ausgestattet worden. Er sei nun Mittelpunkt kultureller und informativer Veranstaltungen.

 

Der denkmalgeschützte Kaufhaus Speicher

Er gelte als ältester Großspeicher des gesamten Hamburger Raumes und sei einzigartiges Dokument der Harburger Binnenhafengeschichte. Er sei gesichert, denkmalgerecht saniert und zum Kulturkaufhaus umgenutzt worden. So sei ein Konzertsaal und ein Gastronomiebereich für kulturelle und private Veranstaltungen entstanden. Entscheidend bei diesem Projekt sei, dass durch die Art der Nutzung der Speicher der Öffentlichkeit erlebbar gemacht werde.

 

Rundweg mit stadthistorischen Stationen

Gemeinsam mit dem Archäologischen Museum Hamburg sei eine App entwickelt worden, die eine Stadttour durch den Harburger Binnenhafen und zu geschichtlich relevanten Orten und Sehenswürdigkeiten navigiere. Die App ermögliche den Vergleich zwischen historischen Aufnahmen mit dem heutigen Stadtbild. Texte informierten über die Geschichte des ehemaligen Industriehafens. Zu der App sei ein Begleitbuch „Der Harburger Binnenhafen“ veröffentlicht worden. Die Stiftung „Blechkunst“ habe dieses Begleitbuch zu einem der 25 „schönsten deutschen Bücher“ gekürt.

 

Im Rahmen des Gebietsentwicklungsprozesses seien insgesamt rund 6,6 Mio. Euro zum Einsatz gekommen.

 

RISE Mittel:  ca. 2,6 Mio. Euro

Landesmittel:  ca. 2,3 Mio. Euro

Private Mittel:  ca. 1,7 Mio. Euro

 

Die Erreichung der Leitziele sei überwiegend gelungen. Es bestehe jedoch noch weiterer Handlungsbedarf, insbesondere auf der Fläche südlich des Kanalplatzes. Dieser Bereich sei aufgrund seiner exponierten Lage von städtebaulich großer Bedeutung für das Fördergebiet. Im Norden des Gebietes bilde das noch weitgehend vorhandene alte Natursteinpflaster den historischen Verlauf der Straße ab. Zur Umgestaltung des Kanalplatzes sei ein Konzept in Auftrag gegeben worden. Die ungeordnete, sehr inhomogene städtebauliche Struktur sei geprägt von Brachflächen und einzelnen Gebäuden. Die Freiflächen würden vorwiegend als Stellplatz genutzt. Auf der Fläche befände sich ein Grabungsschutzgebiet. Die Uferwand des Westlichen Bahnhofskanals sei in desolatem Zustand. Die Klappbrücke sei sanierungsbedürftig.

 

Die frühere Bebauung anhand der noch vorhandenen historischen Parzellenstruktur sei ablesbar. Die erhaltenen schmalen Grundstücke, die bis zu den ehemaligen Entwässerungsgräben reichten, gelten als Identitätsmerkmal des Fördergebietes. Die Straßenräume seien nahezu in geschlossener Bauweise mit eher kleinteilig strukturierter Bebauung gefasst worden.

 

Vorrangiges Ziel an diesem Ort sei es, Wohnungsbau zu ermöglichen. Dabei sei eine Mischung mit anderen Nutzungen denkbar. Angestrebt werde die annähernde städtebauliche Rekonstruktion des Gebietes mit einer Bebauung in moderner Architektur. Dabei sollten die geschichtlichen Spuren erkennbar bleiben. Aus diesem Grunde solle die Bebauung die historische Parzellstruktur berücksichtigen und die historischen Gebäudekanten herausbilden.

 

Im Ergebnis solle ein zeitgemäßes (d. h. nicht historisierendes) architektonisches Bild entstehen, das sich aus mehreren Häusern in unterschiedlicher Architektur entwickeln würde.

 

Voraussetzung für die vorab beschriebene städtebauliche Aufwertung sei:

 

  • Die Archäologische Grabung zur Dokumentation der archäologischen Befunde im Grabungsschutzgebiet in den Flurstücken 964 und 969.
  • Die Sanierung der maroden Kaimauer des östlich angrenzenden Ufers.
  • Die Fortsetzung der überaus erfolgreichen Öffentlichkeitsarbeit mit weiteren 12 Sitzungen der Begleitgruppe Harburger Binnenhafen.

 

Darüber hinaus werde die Sanierung der Brücke Westlicher Bahnhofskanal angestrebt. Die Umsetzung des Konzeptes Gestaltung Kanalplätz wäre wünschenswert.

 

Herr Spahn übt Kritik an dem Schild „Kulturkran“, das an dem Kulturkran angebracht sei. Er sieht darin den Denkmalschutz nicht genügend gewürdigt.

 

Herr Sammeck erkundigt sich nach dem Gesamtbudget und möchte wissen, zu wieviel Prozent das Budget verbraucht sei und zu wieviel Prozent die Maßnahmen umgesetzt worden seien.

 

Frau Dirks erklärt, dass vor Abstimmung der einzelnen Projekte mit der BSU zeitnah Kostenpläne zu diesen einzelnen Projekten zu erstellen seien. Für die Fortschreibung seien die oben genannten Projekte mit der BSU/BSW abgestimmt worden. Dafür sei ein Zeitmaßnahmenkostenplan erstellt worden.

 

Nach derzeitigem Planungsstand erstreckte sich der erforderliche Ressourceneinsatz in der Zeit von 2018 bis 2020 auf Gesamtkosten in he von 1,2 Mio. €. Davon würden anteilig 645.000 € aus RISE-Mitteln und 600.000 € aus weiteren Landesmitteln finanziert. Grundlage für ein Fördergebiet sei ein Entwicklungskonzept. In dem seien auch Zeitmaßnahmenkostenpläne zu erstellen und abzustimmen, die dann Bestandteil des Entwicklungskonzeptes seien und vom Leitungsausschuss Programmsteuerung beschlossen würden. Im Laufe der Gebietslaufzeit könnte das Konzept entsprechend neuer Erkenntnisse angepasst werden. Die Bilanzierung erfolge mit dem Vergleich der im Entwicklungskonzept genannten Ziele zur Zielerreichung in Form einer selbst durchgeführten Evaluation.

 

Herr Penner ergänzt, dass man das Ziel habe für die RISE-Maßnahmen möglichst viel privates Kapital zu akquirieren. Auf der Schlossinsel sei dies gut gelungen. Dies gelinge jedoch in allen anderen Bereichen bei denen RISE-Mittel eingesetzt würden nicht in dem Maße. Beispielsweise würden für die archäologischen Grabungen RISE-Mittel und andere öffentliche Mittel verwendet. Sollte dies nicht erfolgen, könne dieses Grundstück gar nicht entwickelt werden und tte nur einen minimalen Wert. Die Mobilisierung privater Mittel sei dann auch nicht möglich. Es würde sich auch kein neuer Eigentümer finden, da er dann die Finanzierung der Grabungskosten im Vorwege übernehmen müsse.


Der Ausschuss nimmt Kenntnis.